97. Jahrestagung der DOG 1999

K 93

BOTULINUM-TOXIN INDUZIERTE TEMPORÄRE PTOSIS ALS THERAPIEMÖGLICHKEIT ZUR FÖRDERUNG DER CORNEALEN RE-EPITHELIALISIERUNG

A. Nietgen1, F. Sistani1, J. Rollnick2, R. Winter1



Hintergrund: Bei therapieresistenten cornealen Epitheldefekten und Ulcera wird als eine Alternative zur Tarsorrhaphie eine temporäre Ptosis durch Injektion von Botulinum-Toxin A (BoNT/A) herbeigeführt.

Wirkmechanismus: Durch eine Blockierung der Acetylcholinfreisetzung an parasympathischen Nervenendigungen kommt es zu einer temporären Paralyse der betroffenen Muskeln. Im Gegensatz zur operativen, mechanischen Tarsorrhaphie ist die BoNT/A injektion wesentlich einfacher durchzuführen. Die erfolgreiche Anwendung dieser Methode soll hier dargestellt werden. Methode und Patienten: Eine temporäre Lähmung des M. levator palpebrae wurde bei 3 Patienten zwischen 11/98 und 01/99 durch eine direkte intramuskuläre Injektion von 15 MU (mouse units) BoNT/A durchgeführt. Alle Patienten stellten sich mit einem therapieresistenten Ulcus corneae oder progredienten Epithelläsionen vor.

Ergebnisse: Im Verlauf von 2-3 Tagen kam es zu der gewünschten protektiven reversiblen Ptosis. Hierbei konnte eine Re-Epithelialisierung der cornealen Oberfläche beobachtet werden.

Schlußfolgerungen: Die Botulinum-Toxin A induzierte temporäre Ptosis bietet eine Alternative zur Tarsorrhaphie. Im Vergleich zur Tarsorrhaphie bestehen folgende Vorteile:
1) Kein invasiver Eingriff
2) Bessere Verlaufskontrolle der Hornhaut durch optimale Befunderhebung 3) Keine Destruktion der Anatomie des Lidrandes
4) Optimale Anwendungsbedingungen der Lokaltherapeutika
5) Kosmetische Vorteile

1. Augenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg- Str. 1, 30625 Hannover
2. Neurologische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover


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