97. Jahrestagung der DOG 1999

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KONTAKTLINSENINDUZIERTE HORNHAUTENDOTHEL- EPITHELSCHÄDIGUNG

I. Eggers1, H. Krastel1, L. Frisch2, H. E. Völcker1

Die Übertragung von Kontaktlinsen kann zu Epithelläsionen und, als Hypoxiefolge, zu Gefäßeinwachsungen führen. In Ausnahmefällen kann aber auch das Endothel die primären Schadenszeichen bieten.

Kasuistik: Eine 47 jährige Patientin trug seit 20 Jahren links weiche Kontaktlinsen. Das rechte schielamblyope Auge blieb unkorrigiert. Jetzt führte eine massive zystische Hornhautendotheltrübung, Stromaquellung und bullöse Epitheliopathie zur Zuweisung in die Augenklinik Heidelberg. Der Befund links entsprach einer Fuchs´schen Endothelepitheldystrophie. Der Befund am anderen, nicht mit Kontaktlinsen versorgten Auge war normal. Durch das langzeitige Tragen besonders von weichen Kontaktlinsen kam es zu einem morphologischen und funktionellen Defekt der Hornhaut im Sinne einer Hornhautpseudodystrophie mit endothelialem (blebs), stromalem (mit Deszemetfältelung) und epithelialem Hornhautödem
Nach Kontaktlinsenkarenz kam es zur Besserung der morphologischen Befunde, was im Orbscan durch eine Abnahme der Stromadicke und biomikroskopisch durch einen Rückgang der Dekompensationszeichen festzustellen war. Der Visus nach Kontaktlinsenkarenz blieb jedoch wegen der unebenen Hornhautoberfläche für die Patientin unbefriedigend, die sich entschloß, wieder Linsen zu tragen.

Schlußfolgerung: Schwellung und verzögerte Abschwellung bei kontaktlinseninduzierter Hypoxie bewirken Polymegatismus und Polymorphismus des Endothels. Dies führt zu Zelldestruktion, -wanderung und Rosettenbildung. Der Schaden ist nur im Anfangsstadium rasch reversibel. Ein Therapieerfolg ist abhängig von einer frühen Diagnosestellung und frühem Handeln. Die Kontrolle bei Kontaktlinsenträgern sollte sich nicht nur auf Sitz, Fluoreszenzbild, Epithel, Randschlingennetz und Konjunktiva bulbi et tarsi beschränken. Vielmehr ist auch das Hornhautendothel zu kontrollieren. Beim Auftreten von Guttae oder anderen Dekompensations-zeichen ist die Anwendung von Kontaktlinsen frühzeitig zu beenden. Andernfalls kann es geschehen, daß nur noch die schädigende Linse dem Träger ein akzeptables Sehvermögen vermittelt.
1Universitäts-Augenklinik Heidelberg, INF 400, D - 69120 Heidelberg,
2Universitäts-Augenklinik Mainz, Langenbeckstr. 1, D - 55131 Mainz


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