97. Jahrestagung der DOG 1999

V 695

KLINISCHE UND MOLEKULARGENETISCHE CHARAKTERISIERUNG EINER NEUEN STOPMUTATION (E302X) DES PERIPHERIN/RDS-GENS BEI PSEUDOVITELLIFORMER MAKULADEGENERATION

U. Schmidt-Erfurth, A. Ehrenfeld, I. Barbazetto, H. Laqua, A. Gal

Eine genetische Komponente bei der Pathogenese von Makulaerkrankungen wird diskutiert. Bisher sind aber nur wenige spezifische Mutationen identifiziert worden, die eindeutig einem definierten klinischen Krankheitsbild zugeordnet waren. In einer nicht-selektionierten Population mit uniformer Makulapathologie, der pseudovitelliformen Makuladegeneration (PMD), wurde eine umfassende klinische Charakterisierung und ein molekulargenetisches Screening auf Mutationen im Gen für Peripherin/RDS durchgeführt.

Patienten und Methode: Bei Patienten mit typischen vitelliformen Lipofuscineinlagerungen wurde eine funktionelle (ETDRS-Visus, Kontrastsehen, Mikroperimetrie),angio-graphische (FLA und ICG) und elektrophysiologische (ERG/EOG) Charakterisierung des Phänotypes vorgenommen. Eine molekulargenetische Analyse des Gens für Peripherin/RDS erfolgte mittels SSCP-Methode und direkter Sequenzierung

Ergebnisse: 53 Patienten wurden untersucht. Der mittlere Visus lag bei 20/80, das Kontrastsehen bei 30. Es bestand ein relatives Skotom von 20,5 dB im Mittel und ein angiographischer Blockadedefekt mit später Leckage in FLA und ICG. EOG und ERG lagen stets im Normbereich. Bei einer Patientin wurde im Gen für Peripherin/RDS eine bisher nicht beschriebene, heterozygote Punktmutation gefunden, die das Kodon 302 (GAG für Glutaminsäure) in ein Stopkodon (TAG) umändert. Diese Mutation führt höchstwahrscheinlich zur Bildung eines nichtfunktionellen Proteins (Haploinsuffizienz). Der phänotypische Befund entsprach eindeutig dem klassischen Bild einer PMD.

Schlußfolgerung: Die vorliegende Studie basiert auf einer der größten, nicht selektionierten Patientenzahl mit PMD, die systematisch klinisch und genetisch untersucht wurde. Die Inzidenz einer nachweisbaren Mutation im Peripherin/RDS-Gen lag lediglich bei 2%. Neben den bisher bekannten Mutationen im Peripherin/ RDS-Gen bei PMD, konnte eine neue Stopmutation beschrieben werden. Diese zeigt eindrücklich die genetische Heterogenität von Makulaerkrankungen: verschiedene Mutationen können Ursache eines klinisch identischen Krankheitsbildes sein.

Klinik für Augenheilkunde der Medizinischen Universität zu Lübeck
Institut für Humangenetik der Universitätsklinik Hamburg/Eppendorf


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