97. Jahrestagung der DOG 1999

K 683

CYCLOSPORIN-A-INDUZIERTE OPTIKUSNEUROPATHIE NACH KNOCHENMARKTRANSPLANTATION

S. Walter1, H. Bertz2, J. Gerling10,

Cyclosporin A (CsA) wird zur Prophylaxe und Behandlung einer Graft versus Host-Erkrankung nach Knochenmarktransplantation eingesetzt. Bisher ist nicht geklärt, ob CsA eine Optikusneuropathie verursachen kann.

Patient: Ein 52 jähriger Patient stellte sich 6 Monate nach allogener Knochenmarktransplantation wegen chronisch myeloischer Leukämie mit einer Sehverschlechterung beider Augen vor. Der Sehnerv war beidseits geschwollen mit peripapillären Blutungen und Cotton-wool-Flecken. Der Patient bekam zum Zeitpunkt der Sehverschlechterung Cyclosporin A und Prednisolon 10 mg/d. Der CsA-Blutspiegel lag im therapeutischen Bereich (150-300 ng/ml). Mögliche Ursachen der Papillenschwellung wurden unter anderem durch ein normales MRT und normale Liquorwerte ausgeschlossen. Weil der Verdacht bestand, daß CsA die Papillenschwellung mitverursachte, wurde das Medikament abgesetzt und mit Prednisolon 500 m g/d behandelt. Daraufhin besserte sich die Sehschärfe rechts von 1/35 auf 0,5, links von 0,7 auf 1,0. Innerhalb von 3 Wochen besserten sich auch die Gesichtsfeldausfälle. Die Papillenschwellung nahm im Verlauf von 8 Monaten ab. Es entwickelte sich jedoch eine beidseitige partielle Sehnervenatrophie mit bleibender Funktionsstörung.

Diskussion: Das beidseitige Auftreten einer Papillenschwellung mit Visusabfall unter Cyclosporin A-Therapie und die rasche Besserung der Sehfunktion nach Absetzen dieses Medikaments sprechen dafür, daß CsA Ursache der Sehnervenerkrankung war. Bei bisher publizierten Fällen wurden unter anderem ein erhöhter Hirndruck und ein toxischer CsA-Blutspiegel als Ursache der Papillenschwellung diskutiert. Diese beiden Faktoren lagen bei unserem Patienten jedoch nicht vor.

1Universitäts-Augenklinik, Killianstr. 5, D-79106 Freiburg
2Medizinische Universitätsklinik I, Hugstetter Str. 55, D-79106 Freiburg


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