97. Jahrestagung der DOG 1999

V 675

ELEKTROPHYSIOLOGISCHE UNTERSUCHUNGEN BEI MAMMA-KARZINOM-PATIENTINNEN MIT TAMOXIFEN-RETINOPATHIE

J. Kuchenbecker, C. Pump-Schmidt, S. Olbricht, W. Weise, W. Behrens-Baumann



Hintergrund und Ziele: Tamoxifen, ein nicht-steroidaler Östrogen-Antagonist, der zur adjuvanten Therapie bei Mammakarzinom-Patientinnen eingesetzt wird, kann am Auge zu kristallinen Einlagerungen in der Hornhaut und Netzhaut, vor allem in der Nervenfaserschicht, zur Ansammlung von amphipatischen Medikament-Lipid-Komplexen im Bereich des retinalen Pigmentepithels (RPE) führen sowie ein Makula- oder Papillenödem verursachen. Es soll festgestellt werden, welche elektrophysiologischen Untersuchungen für eine Frühdiagnostik der Tamoxifen-Retinopathie von Nutzen sein könnten. In der Literatur sind bisher nur Untersuchungen mittels Blitz-ERG bei Tamoxifen-Retinopathie beschrieben, die keine Veränderungen gezeigt hatten.

Patienten und Methoden: Tamoxifen-Retinopathie-Augen (n=6) von 4 Mammakarzinom-Patientinnen wurden elektrophysiologisch mittels EOG, Blitz-ERG (maximale Stäbchen-Zapfen-Antwort) und Muster-ERG unter ISCEV Standardbedingungen untersucht. Als Vergleichsgruppe dienten Augen (n=20) gesunder Patienten, die kein Tamoxifen eingenommen hatten. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels Zweistichproben-t-Tests.

Ergebnisse: Die Dauer der Tamoxifen-Einnahme betrug im Mittel 33,5 Monate (± 12,4 Monate) und die mittlere Gesamteinnahmemenge 30,15 Gramm (± 11,15 Gramm). Der mittlere Visus der Augen mit Tamoxifen-Retinopathie (0,88 ± 0,30) unterschied sich nicht signifikant (p > 0,05) vom mittleren Visus der Vergleichsgruppe (0,975 ± 0,14). Der mittlere Basiswert im EOG der Gruppe mit Tamoxifen-Retinopathie (596,2 ± 155,6 µV) war signifikant (p < 0,05 ) höher als der mittlere Basiswert der Vergleichsgruppe (429,0 ± 120,4 µV). Alle anderen abgeleiteten Potentiale zeigten keine signifikanten Unterschiede.

Schlußfolgerung: Ein Ganglienzellschaden durch die kristallinen Einlagerungen in der Nervenfaserschicht konnte mittels Muster-ERG nicht nachgewiesen werden. Das EOG könnte zur Frühdiagnostik von Veränderungen des RPE bei Tamoxifen-Retinopathie eingesetzt werden.

Univ.-Augenklinik Magdeburg, Leipziger Str. 44, D-39120 Magdeburg


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