97. Jahrestagung der DOG 1999

V 673

IMPLANTATION VON MIKROELEKTRODEN ZUR RETINALEN STIMULATION UND GLEICHZEITIGEN KORTIKALEN ABLEITUNG BEI DER KATZE

L. Hesse1, T. Schanze2, B. Nebeling1, M. Wilms2, M. Eger2

Um einfache visuelle Wahrnehmungen bei Patienten zur erzeugen, die aufgrund eines Verlustes von Photorezeptoren erblindet sind, sollen verbliebene Ganglienzellen durch epiretinale Elektroden stimuliert werden. Zu diesem Zweck wurden folienartige Mikrokontaktstrukturen aus Polyimid mit planaren Platinelektroden gefertigt.

Methode: Bei Katzen (n=4) wurde nach Entfernung der Linse und des Glaskörpers eine Elektrodenfolie mit 2 x 4 parallel angeordneten Mikroelektroden Über eine limbale Inzision in das Auge eingebracht. Der periphere Anteil der Elektrode mit dem externen Mikrostecker wurde im Stirnbereich ausgeleitet und am kranialen Kopfhaltebolzen gesichert. Die Positionierung der Elektrodenspitze erfolgte durch mikrochirurgisches Instrumentarium, wobei der erforderliche Andruck der Elektroden auf die Netzhaut durch die Eigenspannung des Trägermaterials mittels eines bogenförmigen Verlauf im Auge erzeugt wurde. In 2 Augen wurden die Elektroden zusätzlich mit Cyanoacrylat unter Luft geklebt. Stimuliert wurde 1 bis 14 Tage nach Implantation. Der Stimulationserfolg wurde durch Ableitung sowohl epiduraler als auch intrakortikaler Aktivitäten in Area 17/18 gemessen. Die Mikroelektroden wurden längstens nach 3 Wochen entfernt.

Ergebnisse: Reizzustände oder Netzhautablösungen nach Implantation der Mikrokontaktstruktur wurden nicht beobachtet. Allerdings trat ohne zusätzliche Klebefixierung eine spontane Dislozierung der Elektroden durch Augenbewegungen auf. Die Schwellenwerte der elektrischen Stimulation mit planaren Elektroden lagen zwischen 50 und 100 µA und waren somit erheblich höher als bei Stimulation mit spitzen Elektroden (frühere Experimente).

Schlußfolgerung: Eine Mikrokontaktstruktur aus Polyimid wird intraokular über einen längeren Zeitraum reizfrei toleriert. Planare Elektroden erfordern jedoch höhere Stimulationsströme, weil kein optimaler Kontakt zur Netzhaut besteht. Auf eine zusätzliche Fixierung der Elektroden kann nicht verzichtet werden.

(Gefördert durch das BMBF, Fördernummer 01 IN 501 F).

1. Augenklinik, Philipps-Universität, Robert-Koch-Str. 4, D-35033 Marburg
2. AG Neurophysik, Philipps-Universität, Renthof 7, D-35032 Marburg


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