97. Jahrestagung der DOG 1999

P 652

REDUZIERTE TRÄNENSEKRETION NACH SCHÄDELBASISFRAKTUR

J. Horwath, J. Berglöff, R. Stacher, C. Walch, A. Haas


Kasuistik: Nach einem Schädelhirntrauma mit einer beidseitigen laterobasalen Fraktur, entwickelte ein 27-jähriger Patient eine periphere Facialisparese mit Keratitis e lagophthalmo rechts. Nach zwei Monaten war der Lidschluß wieder vollständig, der Patient klagte aber über Fremdkörpergefühl und Augenbrennen beidseits. Es fand sich an beiden Augen eine konjunktivale Injektion und Stippung der Hornhaut bei normaler Hornhautsensibilität. Die Tränenaufreißzeit lag unter 5 Sekunden und wiederholte Schirmer I Messungen ergaben eine Tränensekretion von 0 mm.
Die impressionszytologische Untersuchung erbrachte eine ausgeprägte Desquamation der Epithelzellen und eine reduzierte Anzahl von Becherzellen. Im HR-CT war eine Trümmerfraktur des Sphenoids mit konsekutivem Hämatosinus sphenoidalis und Abrißfraktur des Processus pterygoideus beidseits zu finden, zusätzlich indirekte Frakturzeichen im Bereich der Pyramiden (Einschattung des Mastoidzellsystems und Hämatotympanon beidseits).

Conclusio: Die Ursache für die fehlende Tränensekretion an beiden Augen liegt offensichtlich in einer Schädigung der parasympatischen Fasern des N. intermedius und / oder des N. petrosus superficialis major, die für die efferente Versorgung der Tränendrüse verantwortlich sind. Auch wenn nach einem Schädelhirntrauma nur einseitig eine Facialisparese auftritt, kann es dennoch an beiden Augen zu einer reduzierten Tränensekretion kommen.

Universitäts-Augenklinik, Auenbruggerplatz 4, A-8036 Graz


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