97. Jahrestagung der DOG 1999

P 651

KOMPLIKATION BEI DER DACRYOCYSTOGRAPHIE

M. Lüchtenberg, K.-H. Emmerich


Kasuistik: Eine 50 jährige Patientin stellte sich wegen einer Tränen-wegstenose in unserer Klinik vor. Anamnestisch gab die Patientin seit einem Jahr Epiphora am rechten Auge an. Der Spülbefund zeigte bei Spülung über das untere Tränenpünktchen einen kontralateralen wässrigen Reflux. Bei der routinemäßig durchgeführten Dacryocystographie kam es zu einer Perforation des ableitenden Tränenwegsystems mit Entleerung des Kontrastmittels Lipiodol® (Fettsäureäthylester des jodierten Oleum Papaveris) in den Extravasalraum. Die Dacryocystographie, sowie die Kernspintomographie zeigten das Perforationsareal mit unregelmäßiger Kontrastmittelausbreitung in das umliegende Gewebe. Im Verlauf kam es zu einer Ausbildung einer Lidphlegmone. Nach lokaler und systemischer Antibiotikatherapie kam es zu einer raschen Befundbesserung. Im entzündungsfreien Intervall wurde 6 Wochen später eine Dacryocystor-hinostomie externa nach Toti durchgeführt; bei der Dacryoendoskopie zeigte sich eine chronisch entzündete Schleimhaut, die Probeexzision ergab histologisch eine Fremdkörperreaktion in den extravasalen Schichten.

Schlußfolgerung: Bei der präoperativ durchgeführten Dacryocystographie kann es zu einer Perforation des ableitenden Tränenwegsystems mit Entleerung des Kontrastmittels Lipiodol® in den Extravasalraum kommen. Trotzdem sollte dieses Verfahren weiterhin als wichtiges diagnostisches und minimal invasives Instrument eingesetzt werden, wobei die Tränenwegendoskopie zur Überprüfung der Operationsindikation immer mehr an Bedeutung gewinnt, da sie eine direkte Beurteilung der Schleimhautverhältnisse zuläßt.

Augenklinik, Klinikum Darmstadt, Heidelberger Landstr. 379, D-64297 Darmstadt


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