97. Jahrestagung der DOG 1999

P 641

RETROBULBÄRES SEKUNDÄRES NON-HODGKIN-LYMPHOM

U. Schnurrbusch*, S. Keiner`, T. Friedrich°, K. Pittasch


Einleitung: Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) führten wegen ihrer primär starken Ausbreitungstendenz früher rasch zum Tode. Nach Einführung des CHOP-Schemas (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Oncovin, Prednisolon) sind therapeutisch auch bei fortgeschrittenen Stadien Ansprechraten von 50-60% zu erzielen. Auch nach vielen Jahren der Komplettremission weisen NHL-Patienten noch ein etwa 5-fach erhöhtes Todesrisiko auf, nur 25-30% überleben länger als 10 Jahre und bei mehr als 27% der Patienten treten Rezidive auf.

Kasuistik: Bei einem 80-jährigen Patienten wurde vor 7 Jahren ein zentro-zytisches NHL der Hoden diagostiziert, das konsekutiv mit einer Kastration sowie mit einer anschließenden Bestrahlung und Chemotherapie behandelt wurde. Nach Komplettremission fanden sich innerhalb der folgenden 7 Jahre keine Hinweise auf weitere Lymphommanifestationen. Im Dezember 1998 stellte sich der Patient mit einem progredienten Exophthalmus und einer retrobulbären Raumforderung unbekannter Dignität vor. Sonographisch und im Computertomogramm erhärtete sich der Verdacht auf ein Rezidiv des 1992 diagnostizierten NHL, jetzt mit Ausbreitung in die Fossa pterygopalatina. Anhand des über einen endonasalen Zugang gewonnenen Materials wurde histologisch die Diagnose eines sekundären hochmalignen zentroblastischen Non-Hodgkin-Lymphoms gesichert. Bei weiterhin progredientem Exophthalmus mit Lidschlußdefizit und einem Visusabfall von cc 0,8 auf 1/15 wurde die erneute Chemotherapie eingeleitet.

Diskussion: Da das 1992 im Hoden diagnostizierte zentrozytische NHL zu den typischen T-Zell-Lymphomen (im weiteren Sinne zu den T-Zell- und Natürlichen Killerzellneoplasien) gehört und somit eine völlig andere Herkunft und Morphologie als der retrobulbär lokalisierte Tumor des Patienten aufweist, ist bei diesem zentroblastischen Non-Hodgkin-Lymphom, einer B-Zell-Neoplasie, unserer Ansicht nach von einem sekundären hochmalignen Lymphom auszugehen. Zweittumoren dieser Art wurden nur vereinzelt in der Literatur beschrieben.

*Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universität Leipzig
`Klinik u. Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde der Universität Leipzig
°Institut für Pathologie der Universität Leipzig


Zurück