97. Jahrestagung der DOG 1999

K 614

TELOMERASE-AKTIVITÄT IN UVEALEN MELANOMEN

J. M. Rohrbach1, C. Riedinger1, M. Wild1, M. Partsch2


Hintergrund: Nach heutiger Vorstellung ist die Zahl potentiell möglicher Zellteilungen für jede Zellpopulation genetisch limitiert, so daß als Ausdruck der Alterung im Endeffekt ein Stadium der Teilungsunfähigkeit (Seneszenz) eintritt (1). Diese auch als "Hayflick-Grenze" bezeichnete Zellteilungs-Barriere ist wahrscheinlich durch die Unterschreitung einer "kritischen" Länge der Telomeren - dieses sind spezielle DNS-Abschnitte an den 4 Chromosomenenden, die bei jeder Zellteilung verkürzt werden - definiert. Für Zellen verschiedener maligner Tumoren wurde nachgewiesen, daß sie im Gegensatz zu ihren normalen Ursprungszellen das Enzym Telomerase aktivieren, damit die Telomeren neu aufbauen, die "Hayflick-Grenze" überwinden und unbegrenzte Teilungsfähigkeit und Wachstum herstellen (1). Allerdings benötigen offenbar nicht alle malignen Neoplasien für ihr Wachstum Telomerase. Ziel der Untersuchungen war es daher zu überprüfen, ob uveale Melanomzellen den Mechanismus der Telomerase-Aktivierung nutzen.

Material und Methode: Von bisher 8 uvealen Melanomen wurde nach Enukleation des nicht vorbehandelten Auges Gewebe steril entnommen und zunächst bei -80 Grad eingefroren. Die Bestimmung der Telomerase-Aktivität erfolgte mit einem PCR ELISA nach dem Telomeric Repeat Amplification Protocol (TRAP) (1). Zur Kontrolle wurde die Telomerase-Aktivität in normalen Bindehautproben bestimmt.

Ergebnisse: Während die Kontroll-Proben negativ ausfielen ließ sich bei 7 der 8 untersuchten Aderhautmelanome eine deutliche Telomerase-Aktivität nachweisen.

Schlußfolgerungen: Die Telomeren und die Telomerase scheinen für das (theoretisch unbegrenzte) Wachstum uvealer Melanome von Bedeutung zu sein. Telomerase-Inhibition könnte damit auch für Aderhautmelanome einen therapeutischen Ansatz darstellen.

1 Harley CB, Kim NW. Telomerase and Cancer. In: DeVita VT, Hellman S, Rosenberg SA (Eds.): Important Advances in Oncology. Lippincott-Raven, Philadelphia (1996) 57-67
2 Augenklinik Abt.I (1) und III (2), Eberhard-Karls-Universität, Schleichstr.12, D-72076 Tübingen

Mit Unterstützung durch das Fortüne-Programm (Projekt F1221132)


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