97. Jahrestagung der DOG 1999

K 613

MELANOME DES ZILIARKÖRPERS - EIN DIAGNOSTISCHES PROBLEM

M. Eckhardt, J. Faulborn, G. Langmann, K. Müllner, N. Ardjomand


Hintergrund: Ziliarkörpermelanome haben ob ihrer oft spät gestellten Diagnose eine schlechte Prognose. Die zirkuläre Infiltration der Kammerwinkelstrukturen durch Melanomzellen führt zum Sekundärglaukom, dessen Ursache in dieser Konstellation oft Anlaß zu einer Fehlinterpretation ist.

Material und Methodik: Bei zwei Patienten wurde ob eines erhöhten Augendrucks und einer einseitig starken Pigmentierung des Kammerwinkels und unauffälliger Iris, die Diagnose "atypisches Pigmentdispersionsglaukom" gestellt. Beide Patienten wurden zuerst medikamentös behandelt und schließlich wegen nicht regulierbarem Augendruck fistulierend operiert. In beiden Fällen kam es nach mehreren Monaten zu Veränderungen der Iris, so daß die Diagnose in "Ziliarkörpermelanom" geändert werden mußte. In einem dritten Fall entwickelte ein Patient eine Glaskörperblutung, welche trotz pars plana Vitrektomie und Endophotokoagulation nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Ein während der Vitrektomie beobachteter etwa 1mm im Durchmesser großer Tumor des Ziliarkörpers (Pseudotumor) wurde als Blutungsquelle diagnostiziert und photokoaguliert.

Ergebnisse: In einem Fall mit der Diagnose "atypisches Pigment-dispersionsglaukom" konnte histologisch die Diagnose Ringmelanom gestellt werden. Im zweiten Fall wurde ein Rutheniumplaque 106 appliziert, da der Patient einer Enukleation negativ gegenüberstand. Im Fall mit der Glaskörperblutung wurde das Auge 6 Monate nach der Vitrektomie wegen Schmerzen und fehlender Funktion enukleiert. Die Histologie ergab ein 13 mm hohes malignes Melanom des Ziliarkörpers mit Glaskörperblutung.

Schlußfolgerung: Ringmelanome oder blutende Ziliarkörpermelanome sind selten, aber in zweifelhaften Fällen bei einseitigem Glaukom mit starker Pigmentierung des Kammerwinkels oder bei Glaskörperblutungen unklarer Genese sollten Melanome des Ziliarkörpers in Betracht gezogen werden.

Universitäts-Augenklinik Graz, Auenbruggerplatz 4, A-8036 Graz


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