97. Jahrestagung der DOG 1999

P 595

KOMBINIERTE VORDER- UND HINTERABSCHNITTSCHIRURGIE FÜR KOMPLEXE RETINA-IMPLANT-SYSTEME BEIM KANINCHEN

M. Vobig, H. Berk, P. Walter, K. Heimann

Retina Implantate werden als mögliche technologische Option zur Behandlung degenerativer Netzhauterkrankungen diskutiert und derzeit tierexperimentell erprobt. Der große Platzbedarf zur intraokularen Unterbringung elektronischer Komponenten macht eine Zweiteilung des derzeitigen Funktionsmusters erforderlich. Dabei wird eine Empfangsstruktur im Kapselsack untergebracht, während der eigentliche Stimulator auf der Netzhautoberfläche plaziert wird. Beide Anteile der Prothese sind durch eine flexible Verbindungsstruktur gekoppelt.

Methoden: Retina Implant Systeme zur epiretinalen elektrischen Stimulation mit Telemetrieeinrichtung zur Signal- Energieeinkopplung wurden bei Kaninchen implantiert. Dabei wurde in einem ersten Schritt durch Kryopexie und rTPA-Injektion der Glaskörper enzymatisch abgehoben. Zwei Wochen später erfolgte eine extrakapsuläre Cataractoperation mit Phakoemulsifikation und Vitrektomie. Drei Wochen später erfolgte im Rahmen der Revitrektomie die Implantation des Gesamtsystems. Der postoperative Heilverlauf wurde über einen Zeitraum von 6 Monaten registriert, ergänzt durch elektro-physiologische Untersuchungen.

Ergebnisse: Die einzelnen Operationsschritte sind technisch durchführbar, wobei ein mehrzeitiges Vorgehen zu einer Verminderung des postoperativen Reizzustandes führt. Moderne Techniken der Hinterabschnittsschirurgie erlauben die kontrollierte Fixation des Netzhautstimulators auf der Netzhautoberfläche trotz der ungünstigen Einblicksbedingungen aufgrund der im Kapselsack sitzenden Empfangselektronik. Postoperative Komplikationen am Vorderabschnitt konnten durch Zusatz von Heparin und Steroiden in der Irrigationslösung vermieden werden. Der postoperative Heilverlauf zeigt stabile Netzhautverhältnisse.

Diskussion: Prinzipiell sind die derzeit zur Verfügung stehenden Funktionsmuster zur epiretinalen Stimulation beim Kaninchen implantierbar. Ein atraumatischeres Vorgehen kann erst mit weiterer Miniaturisierung erreicht werden. Die Chancen zur Realisierung und zur Implantierbarkeit einer solchen Prothese können weiter als günstig eingeschätzt werden.

Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50931 Köln

gefördert durch: BMBF IN501 K, Köln Fortune Programm


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