97. Jahrestagung der DOG 1999

P 569

DIE SEHNERVENKOPFKOMPONENTE IM MULTIFOKALEN MUSTER-WECH-SEL-ERG BEI NORMALEN UND GLAUKOMPATIENTEN

M. Harrer, F. Horn, M. Wisse, M. Korth



Hintergrund: Ziel der Untersuchungen war es, die von Bearse und Sutter (1,2) beschrie-bene Seh-nervenkopfkomponente im multifokalen Musterwechsel-ERG bei Glau-kom----erkrankungen zu untersuchen.

Patienten und Methoden: Wir untersuchten 17 Augen von 14 Normalprobanden (10 RA, 7 LA, Alter 39.1±10.6, 25-59 Jahren) und 9 Augen von 9 Glaukom-patienten (3 RA, 6 LA, Alter 52,3±9,12, 43-68 Jahren) im fortge-schrittenem Stadium (MD > 5.5) mit der multifokalen ERG-Technik (RETIScan System, Roland Consult, Brandenburg) in Mydriasis (Tropi-ciamid). Der Stimulus bestand aus 37 Hexagonen, von denen je-des in 6 Dreiecke (abwechselnd schwarz und weiß) unterteilt war. Ent-sprechend einer korrigierten binären m-Sequenz (Länge 512, 10 Meßzyklen a 39 Sekunden) wechselte der Zustand der Dreiecke jeweils in sein Komplement. Bei allen Messungen wurden DTL-Elektroden benutzt (Referenzelektrode am Canthus, Erd-ungs-elek--trode am Ohrläppchen). Der Bild-schirmabstand war so gewählt, daß ein 60°-Gesichtsfeld stimuliert werden konnte. Die gewonnenen Signale wurden band-pass-gefiltert (10-100 Hz). Die Ergebniskurven von Hexagonen mit an-nähernd gleicher Nerven-faserlänge zum Sehnervenkopf wurden gemittelt. Mit Hilfe eines in MatLab (The Mathworks Inc., Natick, USA) implementierten iterativen Algorithmus, ähnlich dem von Sutter et al. (2), konnten mögliche vom Seh-ner-ven-kopf stammende Komponenten von retinalen Komponenten getrennt werden.

Ergebnisse: Die gemittelten Potentialkurven zeigten bei Normalprobanden ein absolutes Maximum bei ca. 31 ms und ein nachfolgendes relatives Maximum (bei ca. 39 ms im ersten gemittelten Ring der Areale nächstgelegen zum Sehnervenkopf), dessen Latenz sich mit zunehmendem Abstand vom Seh-nerven--kopfs um ca. 10 ms vergrößert. Der iterative Algorithmus separiert die Potentialkurven in eine retinale (bei 31,45±1,8 ms) und eine Sehnervenkopfkomponente (von 39,5±2,7 ms am Sehnervenkopf bis 49,8±1,8 ms in der Peripherie). Bei 7 von 9 Glau-kom--patienten war eine Sehnervenkopf-komponente entweder deutlich verringert und/oder in der Latenz verschoben oder nicht vorhanden.

Schlußfolgerungen: In Anlehnung an die Arbeiten von Bearse und Sutter (1,2) glau-ben wir, das zweite relative Maximum als Sehnervenkopfkomponente inter-pretieren zu kön-nen. Da diese Komonente bei allen Normalen isoliert werden konnte und bei den von uns untersuchten Glaukompatienten deutlich verändert ist, könnte sie als Indikator für funktionelle Schäden am Sehnervenkopf bei Glaukomerkrankungen dienen.

1. Bearse et al., Vision Science and Its Applications, 1997, Vol. 1, pp. 280-283
2. Sutter et al., Vision Research, 1999, 39, 419-436

Augenklinik mit Poliklinik, Univ. Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (SFB 539)


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