97. Jahrestagung der DOG 1999

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DIE DEKONTAMINIERUNG VON HORNHAUTSPENDERMATERIAL -QUALITÄTSSICHERUNG UND INFEKTIONSPROPHYLAXE

F. Wilhelm, A. Kramer, G. Jendral, T. Bredehorn, G. Duncker

Spenderaugen sind prinzipiell als durch verschiedene Mikroorganismen kontaminiert anzusehen, da die Konjunktiva zum einen eine physiologische Bakterienflora aufweist und zum anderen zusätzlich mit pathogenen Erregern besiedelt sein kann. Diese Keime bringen die Gefahr einer Persistenz oder gar Vermehrung während der Lagerung und der Infektionsübertragung auf den Empfänger durch die Transplantation mit sich.

Methodik: In den Hornhautbanken der Augenkliniken von Greifswald und Kiel wurden seit mehr als 6 bis 8 Jahren Spenderhornhäute in der Organkultur teilweise bis zu 30 Tage gelagert. Ein konsequentes Regime der Asepsis und Antisepsis bei der Spendergewinnung und Präparation, der Einsatz von Sterilisation und Desinfektionsverfahren zur Behandlung von Geräten und Instrumenten sowie die Anwendung von Antibiotika und Antimykotika sind in den Arbeitsvorschriften beider Einrichtungen vorgeschrieben, die in der Hornhautbank Halle übernommen wurden. Ständige mikrobiologische Untersuchungen bis weit über den Transplantationszeitpunkt hinaus dienen zur Kontrolle der Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Eine sorgfältige Befunddokumentation ist unbedingt notwendig - sie erhöht die Sicherheit des Patienten und des Operateurs!

Ergebnisse: In den drei Banken ist kein Fall einer Infektionsübertragung durch ein organkultiviertes Hornhauttransplantat bekannt geworden. Es sind hunderte erfolgreiche Keratoplastiken in diesen Kliniken durchgeführt und zusätzlich noch Spenderhornhäute an andere Einrichtungen abgegeben worden.

Schlußfolgerungen: Bei der Neueinrichtung einer Hornhautbank, wie dies in der Universitätsaugenklinik Halle der Fall war, muß von Anfang an ein strenges und wirkungsvolles Regime zur Dekontaminierung und Prophylaxe einer Infektionsübertragung eingeführt werden. Die Organkultur an sich stellt schon eine mikrobiologische Kultur und damit eine zusätzliche Sicherheit bei der Infektionsprophylaxe und Qualitätssicherung dar. Das von den Autoren vorgestellte Modell kann Anleitung für jede etablierte und neu einzurichtende Hornhautbank sein.

Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Martin-Luther-Universität, Magdeburger Straße 8, D-06097 Halle


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