97. Jahrestagung der DOG 1999

P 517

LOKALISATION VERSCHIEDENER ISOFORMEN DES ZYTOSKELETT-PROTEINS ANKYRIN IN DER MENSCHLICHEN RETINA

A. Mantel 1, B. Püschel 2


Einleitung: Ankyrine bilden eine weit verbreitete Proteinfamilie, die integrale Membranproteine mit dem Fodrin/Spektrin-Zytoskelett der Zelle verbinden. Da in vielen polarisierten Zellen eine Kolokalisation von integralen Membranproteinen und Ankyrin nachgewiesen werden kann, vermutet man eine Mitwirkung der Ankyrine beim Aufbau und/oder der Erhaltung von spezifischen Membrandomänen. Bisher sind drei Ankyringene und zahlreiche Spleißvarianten beschrieben worden. Ziel der Untersuchung war, das Vorkommen und die Lokalisation verschiedener Isoformen von Ankyrin in der menschlichen Netzhaut zu analysieren.

Material und Methoden: Semidünnschnitte der Retina des Menschen wurden mittels immunhistochemischer Methoden untersucht. Dafür wurden in Kaninchen hergestellte Vollseren sowie affinitätsgereinigte Antiseren, die gegen menschliches Ankyrin 1 und gegen die 440 kD-Isoform sowie gegen beide Isoformen (220 kD- und 440 kD-Isoform) von menschlichem Ankyrin 2 gerichtet waren, verwendet.

Ergebnisse: Die 440 kD-Isoform von Ankyrin 2 ist vor allem an den Membranen der Fotorezeptorterminalen lokalisiert. Darüber hinaus findet sich diese Isoform an der übrigen Fotorezeptormembran von den Terminalen bis zur äußeren Grenzmembran sowie im Neuropil von Horizontal- und/oder Bipolarzellen in der inneren und äußeren plexiformen Schicht. Auffällig ist die Lokalisation dieser Isoform zudem an Strukturen, die den synaptischen Invaginationen der Zapfenendfüße entsprechen könnten. Die 220 kD-Isoform von Ankyrin 2 findet sich vor allem im Neuropil der äußeren plexiformen Schicht und ist außerdem in Membranen von Ganglienzellen und deren Fortsätzen lokalisiert. Dort ist diese Ankyrinisoform offenbar mit Ankyrin 1 kolokalisiert. Daneben befindet sich Ankyrin 1 auch in der Membran der Zapfenterminalen.

Schlußfolgerung: Die Ergebnisse zeigen erstmals die Expression verschiedener Ankyrinisoformen in der menschlichen Neuroretina. Dabei sind die Ankyrinisoformen nur in bestimmten Zelltypen der Neuroretina lokalisiert und kommen hier teilweise auch nur in bestimmten Membrandomänen der Zellen vor. Die Ergebnisse zeigen außerdem, daß auch innerhalb eines Zelltyps mehrere vermutlich funktionell unterschiedliche Ankyrinisoformen vorkommen können. Die funktionelle Bedeutung der nachgewiesenen Ankyrinisoformen muß in weiterführenden Untersuchungen geklärt werden.

1Augenklinik der Julius-Maximilians-Universität, Josef-Schneider Str. 11, D - 97080 Würzburg
2Anatomisches Institut der Julius-Maximilians-Universität, Koellikerstr. 6, D - 97070 Würzburg


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