97. Jahrestagung der DOG 1999

P 504

BILATERALES PAPILLENÖDEM BEI LUETISCHER PERINEURITIS

D. Krist, H. Wenkel

Die Syphilis ist heute eine in der Augenarztpraxis eher seltene Erkrankung. Wir berichten über eine immunkompetente, weitgehend asymptomatische Patientin mit beidseitigem Papillenödem bei Perineuritis nervi optici im Rahmen einer Lues cerebrospinalis.

Patient: Eine 47 jährige Frau stellte sich aufgrund presbyopischer Beschwerden beim Augenarzt vor. Zusätzlich bestand gelegentlicher Schwindel mit Übelkeit sowie eine Reduktion des Hörvermögens mit Ohrgeräuschen. Der Visus lag beidseits bei 0,8. Es fand sich eine bilateral unscharf begrenzte prominente Papilla nervi optici mit rechtsseitig streifigen Papillenrandblutungen und korrespondierender Vergrößerung des blinden Fleckes im Gesichtsfeld.

Ergebnisse: Im echographischen Befund zeigten sich beidseits Drusen der Papille. Serologisch war nur die Untersuchung auf Lues auffällig (TPHA 1:5120, IgM-FTA-Abs-Test 1:320, und Cardiolipin 1:640). Die Liquor-untersuchung sprach für einen entzündlichen Prozeß im ZNS ohne Nachweis einer autochthonen Antikörperproduktion. Nach intravenöser Penicillin-Therapie zeigte sich eine deutliche Verbesserung der klinischen Symptome.

Schlußfolgerungen: Bei Patienten mit beidseitigem Papillenödem ohne Visusverlust muß auch heutzutage an eine tertiäre Lues cerebrospinalis gedacht werden. Dem Augenarzt kommt hier eine wichtige diagnostische Bedeutung zu, da eine adäquate Therapie die Erkrankung stoppen und weitere neurologische Symptome verhindern kann.

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen


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