97. Jahrestagung der DOG 1999

P 460

STRAHLENRETINOPATHIE: KLINISCHE MANIFESTATIONEN

N. Stender1, S. Bopp1, K. Lemmen2, R. Unsöld2, K. Lucke1

Als Spätfolge einer Bestrahlungstherapie im Kopfbereich kann neben anderen okulären Strukturen die Netzhaut in Form sog. Strahlenretinopathie (StRp) um eine okklusive Mikroangiopathie. Auf Grund unterschiedlich langer Latenzzeit bis zur klinischen Manifestation und einer ausgeprägten Variabilität des Erscheinungsbildes, wirft die StRp häufig diagnostische Probleme auf.

Patienten: Anhand von 9 Fallbeispielen aus 2 Kliniken wird das klinische Spektrum der StRp vorgestellt. Die klinische Stadieneinteilung in Retinophatthiegrad I-IV nach Amoaku und Archer (1991) dient dabei als Strukturierungshilfe.

Ergebnisse: Nur 3 der 9 Patienten waren unter der Verdachtsdiagnose StRp zugewiesen worden, die übrigen mit Makulapathie oder diabetisch/ hypertensiver Retinopathie. Die Anamnese ergab folgende, zuvor durch Bestrahlung behandelte Malignome: Non-Hodgkin-Lymphom von Orbita und Nasennebenöhlen, Keilbeinmeningeom, Nasopharynx-Karzinome, Aderhaut- und Hirnmetastasen bei Bronchial- und Mamma-Karzinom und Aderhautmelanom. Die Variabilität der klinischen Parameter drückte sich folgendermaßen aus: Bestrahlungsdosierung des Tumors: 35-56 GY, Latenzzeit: 12-60 Monate, initialer Visus: LS 1,0 und Retinopathiegrad: geringe Mikroangiopathie - schwere ischämisch-proliferative Retinopathie (entsprechend Stadium I-IV). Vaskuläre Vorschäden (Hypertonus, Diabetes) und adjuvante Chemotherapie hatten offenbar einen kumulativen Effekt auf den Schweregrad der StRp. Ferner bestand in einzelnen Fällen eine radiogene Optikopathie. Die Behandlung orientierte sich am Grad der makulären Mikroangiopathie und an der Schwere der Netzhautischämie (fokale oder disseminierte Laserkoagulation, vitroretinale Chirurgie). Eine Erblindung konnte auch bei schwerer StRp verhindert werden.

Schlußfolgerungen: Die StRp wird häufig als exsudative Makulopathie oder retinale Vaskulopathie diabetischer oder hypertensiver Ursache verkannt, was die Bedeutung der Allgemeinanamnese auch bei ophthalmologischen Patienten unterstreicht. Die Therapie ist symptomatisch und orientiert sich an der Schwere der ischämischen Komplikationen.

1 Tagesklinik Universitätsallee, Universitätsallee 3, D-28359 Bremen
2 Augenabt. des Martinuskrankenhauses, Völklinger Straße 10, D-40219 Düsseldorf


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