97. Jahrestagung der DOG 1999

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PERFLUORMETHYLCYCLOHEXAN ALS AUSWASCHLÖSUNG PERFLUORIERTER FLÜSSIGKEITEN

M. Winter1, K. Kobuch2, D.-H. Menz3, H. M. Hoerauf4, C. Winter5, V.-P. Gabel2

Perfluormethylcyclohexan (FMCH) kann als lipophile Auswaschlösung für intraokulare Reste perfluorierter Flüssigkeiten (PFCL) dienen. Die Wirksamkeit dieser neuen Methode wurde in vitro und die okulare Verträglichkeit in vivo untersucht.

Material und Methode: (I) Schweineaugen ohne vorderes Augensegment wurden nach Entfernung des Glaskörpers mit Perfluordekalin, Perfluoroktan oder Perfluorperhydrophenanthren gefüllt. Diese PFCL wurden lupenmikroskopisch vollständig entfernt und eine Spülung mit FMCH durchgeführt. Anschließend wurde das FMCH abgesaugt. Die Restmengen des PFCL sowie des FMCH wurden gaschromatographisch bestimmt. (II) Nach Gas-Kompression des Glaskörpers wurden jeweils 0,8ml FMCH in vier Kaninchenaugen injiziert. 4-6 Tage später wurden die Augen enukleiert und histologisch untersucht.

Ergebnisse: (I) Alle untersuchten PFCL lassen sich mit FMCH bis unter die Nachweisgrenze entfernen. Jedoch läßt sich FMCH selbst in Restmengen nachweisen. Nach einem Flüssigkeits-Gasaustausch wird in Abhängigkeit von der Zeit diese Restmenge deutlich geringer.
(II) Bei allen Tieren kam es zu einem zunehmenden Reizzustand des vorderen Augenabschnitts und einer Gasbildung im Glaskörperraum. Histologisch ließen sich u.a. verlagerte Photorezeptorzellen und Vakuolen im Pigmentepithel bei ansonsten gut erhaltener Netzhautarchitektur nachweisen.

Schlußfolgerungen: FMCH eignet sich als Lösungsmittel für die untersuchten PFCL. FMCH selbst ist jedoch durch einfaches Absaugen nicht vollständig aus dem Auge zu entfernen. Deshalb ist der Einsatz von FMCH als Auswaschlösung nur dann sinnvoll, wenn es anschließend möglichst vollständig entfernt wird, die intraokular verbleibenden FMCH-Reste entweder verdunsten und als Gas das Auge verlassen können oder besser als andere PFCL Gewebe passieren und über die Blutbahn abtransportiert werden. Dies ist um so wichtiger, da unsere Ergebnisse am Kaninchen zeigen, daß der intravitreale Verbleib größerer Mengen FMCH zu erheblichen okularen Nebenwirkungen führen können, die vermutlich auf den hohen Dampfdruck des FMCH zurückzuführen sind.

1 Klinik für Ophthalmologie der CAU zu Kiel, Hegewischstr. 2, D-24105 Kiel;
2 Universitäts-Augenklinik Regensburg;
3 Pharm Pur GmbH, Augsburg;
4 Universitäts-Augenklinik Lübeck; 5 Pharmazeutisches Institut, Universität Kiel

Projekt im Rahmen der Zusammenarbeit in der „Arbeitsgemeinschaft für Glaskörperersatz"


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