97. Jahrestagung der DOG 1999

K 434

MULTIFOKALE ELEKTRORETINOGRAPHIE BEI PATIENTEN MIT SYNDROM DER BLAUZAPFENHYPERSENSITIVITÄT

B. Jurklies1, M. Weismann1, U. Kellner2, E. Zrenner3

Das Syndrom der Blauzapfenhypersensitivität (ESCS) ist charakterisiert durch eine fehlende Funktion des Stäbchensystems und hohe Antworten mit spektralen Empfindlichkeitseigenschaften der Blauzapfen. Es wurde die Netzhautfunktion und Topographie bei Patienten mit ESCS mit Hilfe der multifokalen Elektroretinographie (MERG) untersucht.

Methoden: Bei 4 Patienten mit zuvor klinisch und elektrophysiologisch diagnostiziertem ESCS wurden MERG (VERIS, EDI, San Francisco) mit Stimulationsmuster aus 103 Hexagons in den zentralen 30° durchgeführt. Die gemittelten Antworten unterschiedlicher Exzentrität von Ring 1 (zentral) bis Ring 6 (peripher) wurden evaluiert.

Ergebnisse: Die Antworten der zentralen und der peripheren Ringe unterschieden sich voneinander. Die Gipfelzeit (IT) der Antworten der peripheren Ringe waren mittelgradig bis stark verlängert. Sie waren in Konfiguration und IT vergleichbar mit jenen des Ganzfeld ERG. Die Antworten der zentralen Ringe wiesen eine doppelgipflige Konfiguration auf. Der IT des zweiten Peaks waren ähnlich wie jene der peripheren Antworten. Der erste Peak hatte normale bis lediglich gering verzögerte IT und wies Ähnlichkeiten zu Normantworten auf.

Schlußfolgerungen: Die Befunde sind z.T. mit jenen des Ganzfeld-ERG vergleichbar. Im Gegensatz dazu stellte sich im zentralen Bereich ein Areal mit Eigenschaften des mittel (MWL)- und langwelligen (LWL) Zapfensystems dar. Die Ausprägung war interindividuell variabel und dürfte für das gut erhaltene Farbensehen bei diesen Patienten verantwortlich sein. Die Befunde sprechen für ein Ungleichgewicht zwischen LWL/MWL und Blauzapfenmechanismen beim ESCS.

Universitätsaugenkliniken D-45122 Essen1,
D-12220 FU Berlin Benjamin Franklin2 ,
D-74076 Tübingen3

Unterstützt durch Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG, Ju 379/1-1


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