97. Jahrestagung der DOG 1999

V 419

RETINALE DRUCKBELASTUNG DURCH PERFLUORDEKALIN

M. Winter1, S. Behrendt1, D.-H. Menz2, G. Pfister3

Die als intraoperatives Werkzeug zur Wiederanlage und Stabilisierung der Netzhaut genutzten perfluorierten Flüssigkeiten (PFCL) führen nach experimenteller Langzeittamponade zu Netzhautschädigungen. Bis heute ist nicht geklärt, ob diese auf einer Druckschädigung durch das hohe spezifische Gewicht der PFCL oder auf einer Störung des retinalen Stoffwechsels beruhen. Eine Klärung der Ursache ist Voraussetzung für die Weiterentwicklung schwerer Flüssigkeiten zur Langzeittamponade. Ziel dieser Untersuchung war die Bestimmung der statischen und dynamischen retinalen Druckbelastung durch intraokulare PFCL.

Material und Methoden: Ein mit Ringer-Lösung gefülltes Modellauge, dessen Hohlraum der Größe des menschlichen Glaskörperraums entspricht, wurde an einem Helm einer Versuchsperson befestigt. Dabei waren der Abstand des Modellauges und des Auges der Versuchsperson von dessen longitudinalen Achse gleich groß. Die Ringer-Lösung des Modellauges wurde zu 25, 50, 75 oder 100% gegen Perfluordekalin (PFD, spezifisches Gewicht: 1,94g/cm3) ausgetauscht. Mittels piezoresistivem Drucksensor und angeschlossenem Verstärker sowie computergestützter Aufzeichnung konnte bei unterschiedlichen Körperbewegungen (u.a. Kopfwendung, Gehen, Hüpfen) an 14 verschiedenen Stellen der an der Innenseite des Modellauges auftretende Druck gemessen und aufgezeichnet werden.

Ergebnisse: Der höchste Druck ließ sich mit 50% PFD-Tamponade bei Hüpfbewegung am unteren Pol des Modellauges messen. Er betrug 829 Pa (6,2mmHg). Bei Kopfwendbewegungen betrug der maximale Druck temporal 183 Pa (1,4mmHg).

Schlußfolgerungen: Verglichen mit Kräften, die bei äußerer Beschleunigung (z.B. als Autofahrer) an der Netzhaut auftreten, führt das hohe spezifische Gewicht des PFD zu relativ niedrigen Druckspitzen bei üblichen Körperbewegungen. Es ist somit unwahrscheinlich, daß die bestimmte retinale Druckbelastung zu der bisher beobachteten PFCL-induzierten Retinopathie führt. Es bleibt zu untersuchen, inwiefern durch dieses Modell nicht erfaßte Parameter (z.B. Elastizitätsmodule, Scherkräfte) möglicherweise zu einer retinalen Schädigung führen.

1Klinik für Ophthalmologie der Universität zu Kiel, Hegewischstr. 2, D-24105 Kiel;
2Pharm Pur GmbH, Augsburg;
3 Institut für Exp. und Angew. Physik der Universität Kiel.

In Kooperation mit der „Arbeitsgemeinschaft für Glaskörperersatz"


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