97. Jahrestagung der DOG 1999

V 417

RETINOPATHIA CENTRALIS SEROSA (RCS) UNTER CHRONISCHER THERAPIE MIT DIHYDROERGOTAMIN

C. Prünte

Die Untersuchungen wurden durchgeführt, um den möglichen aetiologischen Einfluss einer chronischen Dihydroergotamin-Therapie bei der Entstehung der Retinopathia centralis serosa zu beleuchten, da in unserem Patientengut eine Vielzahl von Fällen mit RCS in der Anamnese eine chronische Kopfschmerztherapie mit Dihydroergotamin angaben.

Patienten: 11 Patienten im Alter zwischen 22 und 49 Jahren mit chronisch rezidivierender RCS und einer Anamnese mit chronischem Dihydro-ergotamin-Abusus zur Therapie migräneähnlicher Kopfschmerzen wurden mittels Fluoreszenzangiographie (FA), Indocyaningrün-Angiographie (ICGA), Elektroretinographie (ERG), Elektrooculographie (EOG) und einem kompletten klinischen ophthalmologischen Status untersucht.

Ergebnisse: Sämtliche Patienten wiesen typische Befunde einer RCS mit umschriebener Pigmentunruhe und einer serösen Netzhautabhebung im Bereich der Makula auf. Die FA dokumentierte einen oder mehrere, gut definierte „Leakingpoints" mit einer, sich in der Spätphase darstellenden Hyperfluoreszenz im Rahmen einer serösen Netzhautabhebung. In denselben Arealen konnte in der ICGA eine verzögerte arterielle Füllung mit nachfolgender kapillärer und venöser Stauung in einem oder mehreren choroidalen Lobuli nachgewiesen werden. Im weiteren konnten im betroffenen Auge wie auch in einigen Partneraugen umschriebene Areale mit Pigmentunregelmässigkeiten, wie sie für eine Vernarbung nach RCS typisch sind, gefunden werden. Bei 5 Patienten wurde die ICGA sowie ein choroidales LDF vor und 1 Std. nach Dihydroergotamin-Einnahme durchgeführt. In sämtlichen Fällen fand sich nach der Dihydroergotamin-Einnahme eine deutliche, signifikante Verzögerung der Füllungsdynamik der choroidalen Mikrozirkulation. Das EOG zeigte in 2 Patienten einen pathologischen Befund.

Diskussion: Unsere Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass in einigen Patienten mit chronischer Dihydroergotamin-Einnahme die Dynamik der choroidalen Mikroperfusion beeinträchtigt werden kann und dieses möglicherweise zu Schäden im Bereich des Pigmentepithels führen kann, die dem Bild einer chronisch rezidivierenden RCS entsprechen.

Universitäts-Augenklinik, Mittlere Str. 91, CH-4012 Basel, Schweiz


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