97. Jahrestagung der DOG 1999

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TGFß2-KONZENTRATION IM KAMMERWASSER VERSCHIEDENER GLAUKOMFORMEN IM VERGLEICH ZU DER SICKERKISSEN-ENTWICKLUNG NACH TRABEKULEKTOMIE

G. Picht1, U. Welge-Lüssen2, F. Grehn1, E. Lütjen-Drecoll2


Einleitung: Transforming growth factor type beta (TGFß2) kommt im Augenkammerwasser als multifunktioneller Wachstumsfaktor vor. Seine Rolle wurde im Zusammenhang mit dem Problem der postoperativen Sickerkissenvernarbung untersucht.

Material und Methoden: Bei 55 Glaukom-Augen (29 Augen mit primärem Offenwinkelglaukom (POWG), 17 Augen mit Pseudoexfoliation (PEX), 9 Augen mit juvenilem Glaukom (JG)) wurde zu Beginn einer filtrierenden Operation Kammerwasser entnommen. 29 Augen mit Katarakt dienten als Kontrollgruppe. Die TGFß2-Konzentration und der Proteingehalt des Kammerwassers wurden bestimmt. Der postoperative Verlauf (Augeninnendruck, standardisierte Sickerkissenbeurteilung, zusätzliche Interventionen) sowie präoperative klinische Daten (Alter, Geschlecht, intraokularer Druck, präoperative Behandlung) wurden mit der TGFß2-Konzentration des Kammerwassers verglichen.

Ergebnisse: Die TGFß2-Werte im Kammerwasser von POWG-Augen (64-444 pg/ml, Mittelwert 213,7 pg/ml) und JG-Augen (21-582 pg/ml, Mittelwert 253,3 pg/ml) waren im Vergleich zu der Kontrollgruppe erhöht (66-197 pg/ml, Mittelwert 127,4 pg/ml), im Gegensatz zu PEX-Augen mit normaler TGFß2-Konzentration (45-134 pg/ml, 1 Auge 332 pg/ml, Mittelwert 122,5 pg/ml). Der Vergleich der TGFß2-Konzentration mit dem postoperativen Verlauf zeigte bei POWG-Augen im Falle einer günstigen Sickerkissenentwicklung normale TGFß2-Werte, im Fall einer ungünstigen Sickerkissenentwicklung bei 9 Augen erhöhte und bei 5 Augen normale TGFß2-Werte. Es bestand keine Korrelation zwischen präoperativen klinischen Daten und TGFß2-Werten.

Schlußfolgerung: 1. Die Tatsache, daß POWG-Augen mit günstiger Sickerkissenentwicklung normale TGFß2-Werte zeigen, läßt einen Einfluß von TGFß2 auf die Sickerkissenentwicklung vermuten. 2. Neben dem unterschiedlichen biomikroskopischen Erscheinungsbild grenzen sich verschiedene Glaukomformen bzgl. der TGFß2-Konzentration im Kammerwasser voneinander ab.

1Universitäts-Augenklinik Würzburg,
2Anatomisches Institut, Lehrstuhl II, Erlangen-Nürnberg


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