97. Jahrestagung der DOG 1999

P 381

ZUR LOKALEN UND GLOBALEN STEREOWAHRNEHMUNG BEIM GLAUKOM

R. Gockeln, A. Hentschel, U. Kretschmann, R. Winter

Das Glaukom führt frühzeitig zu einer Degeneration der großzelligen retinalen Ganglienzellen. Neben Abnormitäten der Kontrastsensitivität, der Farbwahrnehmung und der Bewegungswahrnehmung lassen sich beim Glaukom häufig schon vor dem Auftreten von GF-Defekten Störungen der stereoskopischen Tiefenwahrnehmung nachweisen. Dabei scheint die globale Stereowahrnehmung im Vergleich zur lokalen in unterschiedlichem Maße betroffen zu sein.

Methoden: Patienten mit Normaldruck- und Offenwinkelglaukom ohne Zeichen einer signifikanten Binokularstörung wurden in ihren sensorischen Leistungen einer Kontrollgruppe gegenübergestellt. Kriterium für das Normaldruckglaukom war eine glaukomatöse Papillenexkavation und ein IOD <21mmHg, während als Kriterium für das Offenwinkelglaukom eine glaukomatöse Papillenexkavation und ein IOD >21mmHg galt. Neben der Perimetrie (Octopus G1) wurde die Kontrastsensitivität, die Farbwahrnehmung, die Stereowahrnehmung (Random-Dot, Konturen) und die retinale Nervenfaserschicht (Optic nerv analyser) beurteilt.

Ergebnisse: Der glaukominduzierte Schaden der retinalen Ganglienzellen und ihrer Axone (M-Zellbahn) führt häufig schon vor dem Auftreten von GF-Defekten zur signifikanten (p<0,01) Reduktion der globalen Stereowahrnehmung. Hingegen ist die lokale Stereoempfindlichkeit erst nach größeren GF-Defekten beeinträchtigt.

Zusammenfassung: Störungen der globalen Stereoperzeption lassen sich beim Glaukom vor allem durch die frühzeitige Schädigung spezieller Ganglienzellen und ihrer Axone erklären. Die daraus resultierende Minderung der Redundanz, um Defekte zu kompensieren (funktionelle Überlappung), scheint besonders bei stereoskopischen Random-Dot Tests zu Störungen zu führen.

Klinik f. Ophthalmologie der MHH, Carl-Neuberg-Str. 1, D- 30625 Hannover


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