97. Jahrestagung der DOG 1999

V 327

HÄUFIGKEIT DER CHRONISCHEN OFFENWINKELGLAUKOME IN ABHÄNGIGKEIT VON DER DEFINITION. DIE ROTTERDAM STUDIE.

P. T. V. M. de Jong, R. C. W. Wolfs, R. S. Ramrattan, C. C. W. Klaver, A. Hofman.


Hintergrund: Ziel der Studie war, Einflußfaktoren und Prävalenz der chronischen Offen-winkel-glaukome (OWG) in einer allgemeinen kaukasischen Bevölkerung in den Niederlande zu untersuchen.

Methoden: Im Rahmen einer epidemiologischen Querschnittsstudie wurden bei 6781 Individuen (6293 unabhängig lebende Individuen und 488 in Pflegeheimen) mit einem Alter von 55 oder mehr Jahren eine semi-automatische Untersuchung der Papillenmorphologie (vertikales Exkava-tions--/Papillendurchmesserverhältnis; minimale Breite des neuroretinalen Randsaumes; Asymmetrie im Exkavations-/Papillendurch-messerverhältnis zwischen beiden Augen) und eine kinetische Goldmann Gesichtsfeld-untersuchung durchgeführt. Der Augeninnendruck wurde mit der Goldmann Applanations-tonometrie bestimmt. Alle einzelnen Definitionskriterien für die Diagnose eines OWG's wurden unabhängig voneinander evaluiert.

Ergebnisse: Das mittlere vertikale Exkavations/-Papillendurchmesserverhältnis betrug 0,54. In 7.5% der Individuen war es größer als 0,7. Die Häufigkeit von glaukomatösen Gesichtsfelddefekten, ohne daß andere Ursachen für perimetrische Defekte vorlagen, betrug 1,5%. Die Gesamthäufigkeit eines OWG's bei den unabhängig lebenden Individuen war 1,1% (95% Konfidenzintervall 0,8; 1,4; 69 Individuen). Die Häufigkeit eines OWG's war bei den Männern fast dreimal höher als bei den Frauen (Odds ratio 2,7; 95% Konfidenzintervall 1,5; 4,9). Das Risiko eines OWG's erhöhte sich um 7% mit jedem Lebensjahr (95% KI 3,0%; 10,0%). Andere Definitionskriterien für das Vorliegen eines OWG's führten zu geänderten Häufigkeitszahlen, die zwischen 0,1% und 1,2% schwankten. Bei Anwendung von in anderen epidemiologischen Studien zu Grunde gelegten Definitionskriterien wurden ähnliche Häufigkeiten errechnet wie bei Anwendung der o.a. Kriterien.

Schlußfolgerungen: Die Gesamthäufigkeit eines OWG's in der vorliegenden Studie betrug 1,1%. Die Häufung war bei den Männern ausgeprägter als bei den Frauen und erhöhte sich mit zunehmenden Lebensalter. Die Häufigkeitszahlen differierten um einen Faktor von 1 : 12, wenn andere Definitionskriterien für das Vorliegen eines chronischen Offenwinkelglaukoms angewendet wurden. Die Standardisierung diagnostischer Kriterien ist notwendig, wenn epidemiologische Studien verglichen werden sollen.

Niederländisches augenheilkundiges Forschungsinstitut, Amsterdam, -und Institut für Epidemiologie und Biostatistik, Erasmus Universität, Rotterdam, Niederlande.


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