97. Jahrestagung der DOG 1999

V 316

ZUR PROGNOSE DER KONJUNKTIVODAKRYOZYSTORHINOSTOMIE UND IHRER MODIFIKATIONEN MIT UNTERSCHIEDLICHEN IMPLANTAT-MATERIALIEN

H. G. Struck, D. Ehrich

Bei ausgedehnten Verschlüssen der präsakkalen bzw. der gesamten Tränennasenwege erfordert die funktionelle Rehabilitation den Neuaufbau der tränenableitenden Strukturen. Die operativ geschaffene direkte Tränenableitung aus dem Bindehautsack wird über einen langen Zeitraum durch ein Kunststoffimplantat sichergestellt. Neben anderen Kriterien soll der Einfluß der verwendeten Materialien Polyethylen und Silikonkautschuk auf das funktionelle Ergebnis überprüft werden.

Patienten und Methode: Zwischen 1976 und 1998 erfolgten an der Augenklinik Halle insgesamt 37 fortlaufend dokumentierte Konjunktivodakryozystorhinostomien sowie modifizierte Operationen (1x beidseits) an 36 Patienten (22 Männer und 14 Frauen) im Alter von 9 - 76 Jahren (durchschnittlich 35,2 Jahre). Die bis 1990 mit Polyethylen-Kragenröhrchen durchgeführten Operationen (Gruppe I: n = 23) wurden denen seit 1991 mit Silikon-Kragenröhrchen (Gruppe II: n = 14) gegenübergestellt. In dieser retrospektiven Studie wurden die Krankenakten nach Ätiopathogenesen, gewählten Operationsverfahren ausgewertet und die Patienten nachuntersucht.

Ergebnisse: Ursache dieser schwerstgeschädigten Tränenwege waren Unfälle (n = 21!), Fehlbildungen (n = 8), chronische Entzündungen (n = 5) sowie Tumoren (n = 2). Es kamen die Konjunktivodakryozystorhinostomie (KDR, n = 23), die Konjunktivodakryozystostomie (KD, n = 10) und die Konjunktivorhinostomie (KR, n = 4), teilweise mit operativer Lidkorrektur, 21x am rechten und 16x am linken Auge zur Anwendung. In der Gruppe I wurde nach 14 von 23 Operationen (60%) eine funktionelle Heilung (aktiver und passiver Tränenabtransport, keine Beschwerden) erzielt, in der Gruppe II nach 10 von 14 Operationen (71%). Die Polyethylen-Kragenröhrchen wurden durchschnittlich 15 Monate belassen (2x Spontanabstoßung), die Silikon-Kragenröhrchen 12 Monate (4x Spontanabstoßung).

Schlußfolgerungen: Zerstörung oder angeborenes Fehlen der Tränenröhrchen sowie angrenzender Strukturen machen bei entsprechenden Beschwerden die operative Rekonstruktion der ableitenden Tränenwege erforderlich. Mit verbesserter mikrochirurgischer Technik und Einführung der neuen Silikon-Kragenröhrchen konnte die Prognose dieser Operationsverfahren weiter verbessert werden.

Univ.-Augenklinik, Magdeburger Str. 8, D-06097 Halle/S.


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