97. Jahrestagung der DOG 1999

K 314

RESORPTION VON BESTANDTEILEN DER TRÄNENFLÜSSIGKEIT IN DEN ABLEITENDEN TRÄNENWEGEN

F. Paulsen, A. Thale, R. Mentlein

Rohen hat 1964 vermutet, daß beim Mensch ein Teil der Tränenflüssigkeit bereits in den ableitenden Tränenwegen rückresorbiert wird. Jüngste Untersuchungen an den ableitenden Tränenwegen untermauern diese Hypothese. Um den Nachweis zu erbringen, daß tatsächlich Anteile der Tränenflüssigkeit rückresorbiert werden, wurde ein Tierversuch durchgeführt.

Material/Methode: Radioaktiv markiertes Iodid wurde an Albumin gekoppelt und in die Augen weiblicher Ratten getropft. Nach 10, 20 und 60 Minuten wurden die Ratten getötet, das Blut gesammelt und die Rattenköpfe in Paraffin eingebettet. Von dem Blut wurde das Serum gewonnen und die Radioaktivität im Proteinsediment und im vereinigtern Überstand gemessen. In einem zweiten Versuch wurde das Serum nach seiner Molekülgröße aufgeteilt und die Radioaktivität in den einzelnen Fraktionen ermittelt. Autoradiographien wurden von den histologischen Schnitten durch die Rattenköpfe angefertigt.

Ergebnisse: Anfangs war nur ein geringer Anstieg der Radioaktivität im Serum zu beobachten, der mit der Zeit zunahm. Nach 60 Minuten konnte eine maximale Inkorporation von 0,13% der verabreichten Radioaktivität in das Blut gemessen werden, von der (70-80%) nicht proteingebunden waren. Die gelchromatographische Aufteilung nach der Molekülgröße zeigte drei Fraktionen: Albumin(4.8Bq/ml), iodiertes Tyrosin (5.5 Bq/ml) und freies Iodid (237 Bq/ml, alle nach 60 Minuten). Histologisch zeigten die ableitenden Tränenwege der Ratten ein mehrschichtiges unverhorntes Epithel mit in charakteristischen Gruppen in das Epithel eingelagerten Becherzellen. Autoradiographisch konnte kein Transport von radioaktiv markiertem Albumin nachgewiesen werden.

Schlußfolgerungen: Bei der Ratte werden nur Spuren von an radioaktiv markiertes Iodid gekoppeltem Albumin aus den ableitenden Tränenwegen in das Blut aufgenommen. Ein ungleichmäßig höherer Anteil der Radioaktivität wird als proteolytisches Spaltprodukt des Albumins in freie Aminosäuren resorbiert, und 96% der im Blut gemessenen Radioaktivität waren freies Iodid und müssen als Kontamination-sprodukt, entstanden bei der Iodierung des Albumins, gewertet werden. Aufgrund der unterschiedlichen Morphologie des Tränenwegsepithels zwischen Ratte und Mensch müssen weitere vergleichend-anatomische Studien ein Versuchtier ermitteln, daß dem Studium der Resorption an den ableitenden Tränenwegen dienen kann.

Anatomisches Institut, Universität Kiel, Olshausenstraße 40, D-24098 Kiel


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