97. Jahrestagung der DOG 1999

K 31

DER KOHLENDIOXID-TEST ZUR DIFFERENTIALDIAGNOSE DES NORMALDRUCKGLAUKOMS UND DER ANTERIOREN ISCHÄMISCHEN OPTIKUSNEUROPATHIE

M. Müller, L. E. Pillunat, A. G. Böhm, A. U. Köller, A. S. Bernd



Hintergrund: Vaskuläre Faktoren sind von pathogenetischer Bedeutung beim Normaldruckglaukom (NDG) und bei der anterioren ischämischen Optikusneuropathie (AION). Während bei der AION arteriosklerotische Veränderungen als pathogenetischer Mechanismus diskutiert werden, scheint beim NDG eine funktionelle (vasospastische) vaskuläre Dysfunktion vorzuliegen.

Methoden: In einer klinischen Studie wurden 11 Patienten mit AION (mittleres Alter 68 Jahre, 6 weibliche, 4 männliche) und 20 Patienten mit Normaldruckglaukom (mittleres Alter 62 Jahre, 12 weibliche, 8 männliche) untersucht. Bei beidseits vorliegendem NDG wurde ein Auge zufällig gewählt. Für die Induktion der provozierten Vasodilatation kam der Kohlendioxid-Test (95% O2 und 5% CO2 in einem teilweise geschlossenen Rückatmungssystem) während der Gesichtsfelduntersuchung (Humphrey 30-2 visual field) zum Einsatz. Die Perimetrie wurde jeweils unter Raumluft-Bedingungen oder unter artifizieller CO2-Zuführung durchgeführt. Als Änderung des Gesichtsfeldes wurde die Überschreitung der Kurzzeitfluktuation festgelegt. Die Ergebnisse wurden mit dem Mann-Whitney-U-Test statistisch analysiert.

Ergebnisse: Bei 7 Patienten mit NDG zeigte sich eine signifikante Verbesserung (p<0,01) unter CO2-Atmung (MD-Raumluft: -12,49 dB; MD-CO2: -4,02 dB). Bei 13 Patienten fand sich keine Veränderderung (MD-Raumluft: -13,58 dB; MD-CO2: -13,49 dB). Alle Patienten mit AION zeigten einen signifikanten Abfall der visuellen Funktion (p<0,01). Die mittlere Defekttiefe unter Raumluft-Bedingungen betrug -12,88 dB und unter CO2-Atmung -16,84 dB.

Schlußfolgerung: Die vorliegenden Resultate zeigen, daß ein Teil der Patienten mit NDG eine vaskuläre Dysfunktion aufweisen, die sich unter der Exposition eines Vasodilatators funktionell bessert. Beim Vorliegen einer AION scheint eine Vasodilatation zu einem Steal-Effekt in der Mikrozirkulation zu führen, die eine Funktionsverschlechterung zur Folge hat. Eine vasodilatatorische Therapie scheint daher bei AION nicht sinnvoll.

Universitäts-Augenklinik Eppendorf, Martinistr. 52, D-20246 Hamburg


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