97. Jahrestagung der DOG 1999

K 309

MINIMALINVASIVE ORBITADEKOMPRESSION BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE (EO)

R. Gockeln1, R. Winter1, U. Kretschmann1, S. Hussein2

Die chirurgische Dekompression der Orbita kann bei der endokrinen Orbitopathie als Therapiekonzept in Erwägung gezogen werden, wenn z.B. Motilitätsstörungen mit Diplopie primär als Folge der orbitalen Volumenzunahme vorliegen oder eine progrediente Visusminderung auftritt. Entsprechend des eher palliativen Charakters des Eingriffs - die Grunderkrankung wird nicht beseitigt - sollte dieser möglichst schonend angelegt sein.

Methoden: Bei zwei Patienten mit EO wurde bds. mittels mikrochirurgischer intrakonaler Fettentfernung eine Vergrößerung des orbitalen Volumenangebots vorgenommen. Dabei wählten wir die laterale Kanthotomie mit ergänzender vertikaler Kantholyse als orbitalen Zugangsweg. Der bei diesem Vorgehen mobilisierte laterale Halteapparat von Lid und Bulbus (Lig. palpebrale lat., Retinaculum bulbi lat.) wurde nach erfolgter Weichteildekompression obligat refixiert. Zur Abschätzung der funktionellen Rehabilitation wurde der präoperative Befund (Visus, GF, Hertel-Index, Stellung und Motilität) dem postoperativen gegenübergestellt.

Ergebnisse: In beiden Fällen zeigte sich postoperativ eine signifikante Besserung von Stellung und Motilität ohne Angabe von Diplopie. Der postoperative Visusanstieg betrug im Mittel 0,3, die erzielte Minderung der Protusio bulbi 3-4 Millimeter (Hertel-Index). Eine präoperativ bestehende okuläre Hypertension war postoperativ in beiden Fällen nicht mehr nachweisbar.

Zusammenfassung: Aufgrund der guten funktionellen und ästhetischen Rehabilitation stellt die laterale Kanthotomie mit ergänzender Kantholyse zur mikrochirurgischen Weichteildekompression der Orbita bei geeigneten Patienten eine sehr schonende Alternative zu herkömmlichen Dekompressionsverfahren dar.

1Klinik f. Ophthalmologie der MHH, Hannover,
2Klinik f. Neurochirurgie der MHH, Hannover


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