97. Jahrestagung der DOG 1999

V 290

ZUR GESCHICHTE DER KLASSISCHEN HIRNSTAMM-SYNDROME

D. Schmidt


Hintergrund: Bei Paresen der Augenmuskeln ist stets an eine Hirnstammläsion zu denken. Methode: Es wurden die Originalarbeiten der Autoren des vergangenen und Beginn dieses Jahrhunderts im Hinblick auf die neuro-ophthalmologische Diagnostik und Neuroanatomie eingesehen. Aufgabe dieser medizin-historischen Untersuchung ist es, die Bedeutung der bereits damals vorhandenen Kenntnisse mit dem heutigen Wissen in Beziehung zu setzen.

Ergebnisse: Folgende klassischen Hirnstamm-Syndrome mit Läsionen der langen Nervenbahnen sind für den Augenarzt von Bedeutung: Benedikt-Syndrom (1889, Hemiparese mit gekreuzter Okulomotoriusparese und Tremor der gelähmten Extremitäten), Foville-Syndrom( (1858, Blickparese, ipsilaterale nukleare Parese des 7. Hirnnerven und gekreuzte Hemiparese), Millard-Gubler-Syndrom (1855/1856, Lähmung des 7. Hirnnerven und gekreuzte Hemiplegie), Raymond-Cestan-Syndrom (1895, Abduzenslähmung und kontralaterale Hemiparese), Wallenberg-Syndrom (1895, Horner-Syndrom, fehlender Korneal-Reflex, Lateropulsion der sakkadischen Augenbewegungen, Nystagmus, Ataxie, Dysphagie, Heiserkeit, Sensibiltätsstörung des Gesichts u.a.) sowie Weber-Syndrom (1863, ipsilaterale Okulomotoriusparese und kontralaterale Hemiplegie). Streng genommen gehören die beiden folgenden Syndrome nicht zu den bereits erwähnten klassischen Syndromen, da hierbei die Läsionen der langen Bahnen fehlen. Da sie aber zu den wichtigen Hirnstamm-Syndromen mit zusätzlichen neurologischen Ausfällen zählen, die auf typische Hirnstammläsionen hinweisen, werden sie hier angeführt: Parinaud-Syndrom (1883, vertikale Blickparese in Zusammenhang mit zusätzlichen neuro-ophthalmologischen Zeichen), Koerber-Salus-Elschnig-Syndrom (1903, 1910, 1913, Nystagmus retractorius und Erkrankungen des Mesenzephalons).

Schlußfolgerung: Die Erstbeschreibungen dieser Syndrome mit den Abbildungen der neuroanatomischen Befunde dieser Läsionen ist hilfreich zur klinischen Beurteilung des Krankheitsbildes. Einige heute verwendete Syndromnamen (z.B. Parinaud Syndrom) entsprechen nicht mehr genau den Erstbeschreibungen des vergangenen Jahrhunderts.


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