97. Jahrestagung der DOG 1999

V 260

ADULTE NETZHAUT-PIGMENTEPITHEL-PRÄPARATE IN DER PERFUSIONS KULTUR - EIN NEUES ORGANTYPISCHES IN VITRO MODELL FÜR PHYSIOLOGISCHE UND PHARMAKO-TOXIKOLOGISCHE STUDIEN

K. Kobuch, S. Kloth, W. Herrmann, E. Eckert, J. Roider, V. P. Gabel

Bisherige Zellkultursysteme basieren meist auf der Anwendung von prolife- rierenden Einzellzelltypen oder von embryonalem Gewebe. Diese weisen im Differenzierungsgrad und in zelltypischen Funktionen deutliche Unterschiede zu intakten Gewebeverbänden auf. Es wurde deshalb ein organtypisches in-vitro Modell der adulten Netzhaut und Aderhaut in der Perfusionskultur entwickelt, mit herkömmlichen statischen Kulturmethoden verglichen und bei der Untersuchung von Glaskörperersatzstoffen als in-vitro Toxizitätsmodell angewendet.

Methodik: Netzhaut-Aderhaut-Präparate wurden aus frisch enukleierten Schweineaugen entnommen und in einem 13 mm durchmessen den Doppel-Ring-Gewebeträger (Minusheet®) eingespannt. Der Gewebering wurde in eine 2-Kompartimenten-Kulturkammer eingebracht und von der Netzhautinnenseite und von der Aderhautseite jeweils mit einer Geschwindigkeit von 1ml/h mit Medium perfundiert. 36 normale und je 18 Netzhäute mit Glaskörper-ersatzstoffen (Sil.Öl, Dekalin, O62) wurden untersucht. Die Kulturen wurden beidseits für 4, 7 und 10 Tage perfundiert und anschließend histologisch untersucht. Die Ergebnisse wurden mit statischen Netzhautkulturen verglichen.

Ergebnisse: Ein weitgehender struktureller Erhalt der Netzhaut über bis zu 10 Tage konnte mit diesem System erreicht werden. Das RPE war nach 10 tägiger Perfusion voll differenziert mit apikaler Pigmentierung und interzellulären tight junctions als Monolayer auf der Bruchschen Membran erhalten. Die Netzhautarchitektur nach Perfusionskultur war deutlich besser, als nach herkömmlicher statischer Kultur. Nach Anwendung verschiedener Glaskörperersatzstoffe zeigten sich in diesem in-vitro-Modell der Netzhaut unterschiedliche morphologische Veränderungen , die mit histologischen Befunden nach in-vivo Untersuchungen in Kaninchenaugen korrelieren.

Schlußfolgerung: Adulte Netzhaut kann in der Perfusionskultur über einen längeren Zeitraum strukturell erhalten werden. Das organtypische in-vitro Modell zeigt eine Alternative für Kurzzeit-in-vivo-Studien auf. Auch ex vivo-Untersuchungen an humaner Netzhaut sind mit diesem Modell erstmals vorstellbar. Weitere Perspektiven bestehen in Toxizitätsuntersuchungen an Netzhaut und Pigmentepithel und in NH- und RPE-Transplantationen.

Univ.-Augenklinik, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, D-93053 Regensburg


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