97. Jahrestagung der DOG 1999

K247

CONTUSIO BULBI DURCH AIRBAG BEI BAGATELLUNFALL

S. Gösele, K. M. Stein*, A. Peuser**, E. Miltner***, R. O. W. Burk


Einleitung: Seit Einführung des Airbags reduzierte sich der Anteil tödlicher Verletzungen bei schweren Unfällen von 11,9 % auf 2,3 %. Im vorgestellten Fall zeigen sich jedoch schwere Augenverletzungen bei einem Bagatell-Unfall, die durch ungünstige Entfaltungsgeometrie des Airbags, eine niedrige Auslöse-Schwelle, kleine Körpergröße sowie eine weit vorgeschobene Position der Patientin bedingt wurden.

Fall: Die 31-jährige angeschnallte Beifahrerin in einem Fiat Brava, Bj. 1997, erlitt bei einer Kollision stumpfe Verletzungen am rechten Auge. In der Notambulanz war die Lichtscheinprojektion fraglich intakt, die Tensio betrug 3 mmHg. Es fand sich eine Bindehaut-Dehiszenz, Contusio endothelialis mit nachfolgendem Stroma-Ödem sowie Epithel-Bullae, Hyphäma, traumatische Mydriasis und Subluxatio lentis mit nachfolgender Cataracta traumatica. An der Netzhaut entwickelte sich eine Retinopathia sclopetaria mit chorioretinaler Narbe. Periorbital fand sich eine Pseudo-Ptosis durch ein Lid-Hämatom sowie extraokulär eine Fraktur der Lamina papyracea.

Diskussion: Der Fiat hatte eine Annäherungsgeschwindigkeit von ca. 36 km/h, nach Vollbremsung ca. 31 km/h. Der Stoß wirkte von vorne links, die maximale Verzögerung in Stoßrichtung betrug 15 ­ 19 km/h. Die Entfaltung des Airbags war auf die Insassin gerichtet. An der Oberkante des Airbags fanden sich Farbspuren, offenbar vom Lidschatten der Patientin. Die Augenverletzungen wurden demnach vom expandierenden Airbag verursacht. Verbesserungen durch andere Entfaltungsgeometrie (z.B. Fangbänder), höhere Auslöse-Schwelle sowie sog. Ñintelligente Systeme² mit zusätzlichen Sensoren sind möglich.

Universitäts-Augenklinik Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 400, D-69120 Heidelberg;
*Institut für Rechtsmedizin, Universität Heidelberg;
**Ingenieurbüro Wiedmann Neckarsulm;
*** Institut für Rechtsmedizin, Universität Ulm


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