97. Jahrestagung der DOG 1999

V 244

FUNKTION UND ANGIOGRAPHISCHER BEFUND IM SPONTANVERLAUF KLASSISCHER, CHORIOIDALER NEOVASKULARISATIONEN (CNV) BEI AMD

H. Elsner, I. Barbazetto, U. SchmidtErfurth

Die altersassoziierte Makuladegeneration (AMD) ist die führende Ursache für Erblindung in der Altersgruppe der über 50jährigen. Insbesondere klassische subfoveale Membranen gelten als prognostisch ungünstig. Diverse Behandlungsstrategien sind derzeit in der klinischen Erprobung, die Beurteilung des Behandlungserfolges ist jedoch häufig durch das Fehlen einer geeigneten Kontrollgruppe erschwert. Ziel dieser Studie ist die Dokumentation des Spontanverlaufes der klassischen, subfovealen CNV.

Patienten und Methode: Im Rahmen einer prospektiven, randomisierten Studie wurden 19 Patienten (19 Augen) über einen Zeitraum von 2 Jahren kontrolliert. Alle Patienten zeigten bei Erstvorstellung eine subfoveale CNV mit angiographisch klassischem Anteil. In vierteljährlichen Abständen wurde eine standardisierte Visusprüfung (ETDRS), Bestimmung der Kontrastsehschärfe (Pelli Robson), Ophthalmoskopie, Mikroperimetrie (Rodenstock SLO) und Fluoreszenzangiographie durchgeführt.

Ergebnisse: Der Ausgangsvisus sank im Mittel von 20/126 (SnellenÄquivalent) auf 20/250. 9 Patienten zeigten einen gravierenden Sehverlust von > 3 Zeilen, 4 Patienten präsentierten einen moderaten Visusabfall < 3 Zeilen, 6 Patienten zeigten über 2 Jahre eine Stabilisierung oder Verbesserung ihres Visusergebnisses. In der Gruppe I mit einem Ausgangsvisus > 20/100 konnten 4/7 Patienten ihren Visusscore über 2 Jahre halten oder verbessern (angiographisch mit einer Abnahme der Leckageaktivität korreliert), gegenüber 2/12 Patienten in der "visusschlechteren" Gruppe II. Die Kontrastsehschärfe sank von 23 auf 19 erkannte Buchstaben, wobei in Gruppe I 5/7 Patienten eine Verbesserung des Kontrastsehens aufwiesen. Die Mikroperimetrie zeigte bei 16/19 Patienten eine Zunahme des absoluten und des relativen Skotoms.

Schlußfolgerung: Trotz der insgesamt schlechten Prognose der subfovealen klassischen chorioidalen Neovaskularisation, konnte gezeigt werden, daß in Abhängigkeit vom Ausgangsvisus eine spontane Stabilisierung des Befundes sowohl funktionell als auch angiographisch bei einem Teil der Patienten möglich ist. Diese Ergebnisse sollten bei der Beurteilung der Behandlungsergebnisse nichtplacebokontrollierter Studien in Betracht gezogen werden.

Klinik für Augenheilkunde der Medizinischen Universität zu Lübeck


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