97. Jahrestagung der DOG 1999

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FUNKTIONSVERBESSERNDE UND ÄSTHETISCHE THERAPIE BEIM BEGLEITSCHIELEN

J. Esser

Die funktionsverbessernde Therapie des Begleitschielens umfasst die Amblyopiebeseitigung bzw. -prophylaxe des Einzelauges und die Besserung bzw. Bewahrung der binokularen Zusammenarbeit. Wichtige prognostische Faktoren für die monokulare Funktionsverbesserung durch die konservative Amblyopietherapie sind der Zeitfaktor (Schielbeginn, Therapiebeginn, Okklusionsrhythmen) und die Compliance bei der Okklusionstherapie. Voraussetzung einer Funktionsverbesserung der binokularen Zusammenarbeit ist zunächst der Versuch einer Stellungsbesserung durch konservative Maßnahmen (z.B. Refraktionsausgleich, Bifokalbrille) und später ggf. die operative Stellungsverbesserung. Konservative Maßnahmen sind darüberhinaus zur Vermeidung eines drohenden Verlusts von Binokularität vordringlich (wie z.B. passagerer Prismenausgleich bei normosensorischem Spätschielen). Für den funktionellen und ästhetischen Erfolg der operativen Stellungsbesserung sind folgende Parameter wichtig: Dosierung der Muskelstrecken, Seitenverteilung (z.B. unilaterale Resektion/Rücklagerung vs. bilaterale Internusrücklagerung beim Strabismus convergens), Operationsart (Bulbusumlagerung, Fadenoperation), Mitoperation von Bewegungsstörungen der schrägen Augenmuskeln (z.B. Strabismus surso- oder deorsaoadductorius, „Buchstabenphänomene"), zusätzliche Augenbewegungenphänomene (wie z.B. dissoziiertes Höhenschielen und Nastagmus latens beim frühkindlichen Schielsyndrom). Der Einfluss des Operationsalters ist nach bisherigen Erkenntnissen von weniger großer Bedeutung und die Frage der Frühoperation wird derzeit im Rahmen einer großen Multizenterstudie weiter untersucht. Andererseits können auch Erst- und Revisionseingriffe im Erwachsenenalter zu einer Verbesserung des Binokularsehens führen. Wichtigste Risiken der operativen Therapie (die teilweise präoperativ abgeklärt werden können) sind: Diplopiegefahr (z.B. Horror fusionis), Verkleinerung des binokularen Gesichtsfeldes (z.B. bei Formen des Strabismus divergens), Über- oder Unterdosierungen sowie die sehr seltenen genuinen Operationsrisiken (wie z.B. Infektionen, Verletzungen, Ischämie, Blutungen).

Universitäts-Augenklinik Essen, Hufelandstraße 55, D-45122 Essen


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