97. Jahrestagung der DOG 1999

K 172

RETINALER VENENVERSCHLUSS ASSOZIIERT MIT HOMOZYGOTER METHYLENTETRAHYDROFOLATREDUKTASE PUNKTMUTATION ( C 677 T )

A. Andresen, B. Engels, R. Widder, P. Walter

Hyperhomocysteinämie wird neuerdings als prädisponierend bezüglich des Auftretens von thromboembolischen Komplikationen diskutiert. Einen wesentlichen Grund für das Vorliegen einer milden Hyperhomocysteinämie stellt die homozygote C677T Mutation im Methylentetrahydrofolat-reduktasegen dar. Die Prävalenz in den westlichen Industrieländern wird mit 5¬≠18 % angegeben.

Kasuistik: Ein gesunder 29-Jahre alter junger Mann entwickelte ein schweres Neovaskularisationsglaukom auf dem Boden eines ischämischen Zentralvenenverschlusses im linken Auge. Fünf Monate nach initialer Diagnose stellte sich der Patient in unserer Klinik mit Astvenenverschluß im rechten Auge vor. Der Visus lag rechts bei 0,6, links keine Lichtscheinprojektion. Die Tensio lag im Normbereich. Bei fluoreszenzangiografisch nachgewiesener Ischämie des RA, wurde eine fokale Laserkoagulation durchgeführt.Temporär stieg der Visus des RA auf 1,0. Zusätzlich wurden 150 mg Fluocortolon oral und 100 mg Aspirin appliziert. Das LA war auswärts mittels ppV, Silikonölfüllung, bei Traktionamotio versorgt worden. Extensive hämatologische, inter-nistische und apparative Diagnostik war unauffällig. Jedoch zeigte sich ein nüchtern Homocysteinserumspiegel von 38 µmol/l (5-15 norm). Molekulargenetisch konnte eine C677T- Mutation gezeigt werden. Eine Supplementierung von Folsäure (10 mg/d) und Pyridoxin (250 mg) wurde gestartet. Ein Jahr nach Erstvorstellung verblieb der Visus des RA bei 1,0. Der Homocysteinspiegel war in der Norm.

Schlußfolgerung: Retinale Gefäßverschlüsse bei sonst gesunden, jungen Menschen ohne Vorhandensein ¬≤klassischer¬≤ Risikofaktoren, sollten im Hinblick auf das Vorliegen einer Hyperhomocysteinämie abgeklärt werden, da diese als ein weiterer Risikofaktor für vaskuläre Verschlußkrankheiten diskutiert wird. Eine gezielte Supplementierung von Folsäure und Pyridoxin kann den Homocysteinspiegel normalisieren und wird dringend empfohlen.

Universitäts-Augenklinik Köln, D - 50924 Köln


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