97. Jahrestagung der DOG 1999

K169

MAKULOPAPILLäRE RETINALE ARTERIENASTVERSCHLüSSE NACH WADA-TEST

E. Müller, W. Huk, E. Pauli, H. Wenkel

Der Wada Test ist ein wichtiger Bestandteil der präoperativen Epilepsiediagnostik. Nach vorheriger Kontrastmitteldarstellung des Gefäßmusters erfolgt eine intracarotidale Injektion von Sodium Amytal über einen transfemoralen Zugang zur selektiven, kurz andauernden Anästhesie einer Hirnhemisphäre. Während dieser Zeit können mit Hilfe neurophysiologischer Tests unter anderem Informationen über die cerebrale Sprachrepräsentation gewonnen werden, die für das Ausmaß der Resektion in der Epilepsiechirurgie bedeutsam sind.

Patient: Ein 22jähriger Patient mit kryptogener Epilepsie ohne anamnestische Hinweise auf thrombembolische Geschehen stellte sich in der Augenklinik vor, weil ihm unmittelbar nach Durchführung des Wada-Testes ein Schatten im zentralen Gesichtsfeld des rechten Auges aufgefallen war.

Befund: Der Visus am rechten Auge betrug 0,5. Am Fundus zeigten sich zwischen Papille und Makula zwei kleine Areale ödematöser Netzhaut. Computerperimetrisch wurden großflächige absolute Skotome im 10 Bereich ermittelt. Die Fluoreszenzangiographie ergab eine im Verlauf des Angiogramms leicht zunehmende fleckige Hyperfluoreszenz temporal am Papillenrand bei leicht verzögerter venöser Füllungsphase, vereinbar mit einem Ausfall des makulopapillären retinalen Kapillarbettes bei zwei isolierten Arterienastverschlüssen. Bei einer Kontrolluntersuchung vier Monate später betrug der Visus rechts 1,0. Das intraretinale Ödem war verschwunden, die Papille jedoch temporal blaß. Die parazentralen Skotome waren in ihrer Ausdehnung etwas zurückgegangen.

Diskussion: Retinale Arterienastverschlüsse sind unseres Wissens als Komplikation des Wada Tests nicht vorbeschrieben. Ursächlich kommt neben im Rahmen der Katheterisierung verschleppten Blutkoageln auch eine Embolie durch nicht gelöste Partikel des Röntgenkontrastmittels bzw. des Sodium Amytals in Frage.

Augenklinik mit Poliklinik, Neurologische Klinik mit Poliklinik und Neuroradiologische Abteilung der Universität Erlangen-Nürnberg


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