97. Jahrestagung der DOG 1999

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BIOCHEMISCHES STRESSMONITORING IN DER KATARAKTCHIRURGIE: PHENYLEPHRIN 10% ZEIGT IM VERGLEICH MIT 5% KEINE VERÄNDERUNG DER SERUMKATECHOLAMINWERTE

F. C. Schlichtenbrede1, M. C. Bartram1, K. U. Burkhard2, R. Wiedemann1


Hintergrund: Eine maximale Pupillendilatation ist die Voraussetzung für den komplikationslosen Verlauf von KataraktOperationen. Die Kombination des Sympathikomimetikums Phenylephrin 5% mit dem Anticholinergikum Cyclopentolat 1% führt häufig nicht zur optimalen Mydriasis. Bei Phenylephrin 10% kommt es zwar zu einer schnelleren und ausgeprägteren Mydriasis, jedoch sind kardiovaskuläre Nebenwirkungen beschrieben. Zur objektiven Einschätzung der NutzenRisikoRelation von Phenylephrin 10% sollten diese Nebenwirkungen mit Hilfe biochemischer Stressparameter und klinischer Beobachtung bei unserem Patientengut dokumentiert werden.

Patienten und Methoden: Wir bildeten randomisiert zwei Gruppen, die jeweils 15 Patienten umfassen sollten. Alle Patienten erhielten als Prämedikation Midazolam p.o. (0.05 mg/kg KG). Nach einmaliger Applikation von 2 Tropfen Phenylephrin 5% in Gruppe 1, bzw. 10% in Gruppe 2 sowie 2 Tropfen Cyclopentolat bei neutraler Pupille (Zeitpunkt 0) wurde ein EKG abgeleitet und Blutdruck, Puls, O2Sättigung des Blutes und die Pupillenweite gemessen. Im abzentrifugierten Serum des zeitgleich abgenommenen Blutes wurden die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin mittels HPLC (High Performance Liquid Chromatography) bestimmt. Diese Messungen wurden nach 5, 10 und 30 Minuten wiederholt.

Ergebnisse: Die mittlere Pupillenweite nach 30 min in Gruppe 1 betrug 7,5 mm gegenüber 9 mm in Gruppe 2. Die maximale Pupillenweite wurde hier im Mittel nach 20 min erreicht. Bei allen Patienten ließen sich die geplanten Operationen ohne Zwischenfälle durchführen. In den bisher vorliegenden Daten ließen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Phenylephrin 5% und 10% nachweisen: weder im klinischen Monitoring, noch in der KatecholaminMessung zeigten sich konzentrationsabhängige Muster der Blutdruckentwicklung oder der Serumwerte. Systemische kardiovaskuläre Wirkungen wurden nicht beobachtet.

Schlußfolgerung: Diese Ergebnisse zeigen, daß bei kontrollierter Anwendung von Phenylephrin 10% unter Beachtung von Kontraindikationen kein erhöhtes Risiko für das Auftreten kardiovaskulärer Nebenwirkungen im Vergleich zu 5% besteht. Die Vorteile der optimalen Pupillendilatation lassen also einen Einsatz von Phenylephrin 10% als Routinemedikament in der Kataraktchirurgie als vertretbar erscheinen.

Wir danken Frau B. Vetter für die Durchführung der HPLCMessungen.

1Univ.Augenklinik,
2Univ.Klinik für Anästhesiologie, Liebigstr. 1014, D04103 Leipzig


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