97. Jahrestagung der DOG 1999

P 139

SENSORISCHE BLOCKADE IM NERVUS OPTICUS NACH RETROBULBÄRER ANÄSTHESIE BEI DER KATARAKTOPERATION

T. Heuermann1, N. Anders1, D. T. Pham2, J. Wollensak1

Nach retrobulbärer Anästhesie als Lokalanästhesieverfahren bei der Kataraktoperation, kommt es zu einer temporären, sensorischen Blockade im Nervus opticus. Zu ihrem Verlauf, sowie zu möglichen beeinflussenden Faktoren sind bisher nur Studien an einigen wenigen Patienten publiziert worden, die den gesamten Zeitraum der Anästhesie verfolgen. Wir haben in dieser prospektiven Studie den Verlauf der sensorischen Blockade im Sehnerven mittels Ableitung der visuell evozierten Potentiale [VECP] untersucht.

Patienten: Es wurden insgesamt 57 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 77,4±21,5 Jahren untersucht. VECP wurden vor retrobulbärer Injektion von standardmäßig 4ml Xylonest 2%®/Dur-Anest 1%® (3:1), kurz nach der Injektion, sowie mehrfach nach durchgeführter Kataraktoperation (55 min bis maximal 6 Stunden nach Anästhesie) abgeleitet. Die Veränderungen der Latenzzeit und Amplitude des P100 Gipfels wurden im Verlauf, sowie in Beziehung zu den Variablen Alter des Patienten, Bulbuslänge, Prämedikation, Okulopression statistisch ausgewertet.

Ergebnisse: Direkt nach retrobulbärer Anästhesie, sowie in den ersten postoperativen Intervallen zeigten sich im Vergleich zu den vor Anästhesie registrierten Kontrollwerten signifikante Veränderungen in P100 Latenzzeit und Amplitude (Latenzzeitzunahme und Amplitudenverminderung). Knapp zwei Stunden nach der Anästhesie erreichen die VECP bereits wieder ihre vor Anästhesie erhobenen Werte. Hinsichtlich Alter und Bulbuslänge konnte in zwei Untersuchungsintervallen eine mittelstarke Korrelation zu den VECP-Veränderungen festgestellt werden. Eine Korrelation der VECP-Veränderungen zu Prämedikation des Patienten und Dauer der Okulopression konnte nicht gefunden werden.

Schlußfolgerung: Es besteht eine eindeutige quantitative und qualitative Beeinflußung der retinokortikalen Reizweiterleitung nach retrobulbärer Anästhesie, die für ca. 2 Stunden anhält. Diese ist vollständig reversibel. Der Patient sollte über einen möglichen temporären Visusverlust nach Retrobulbäranästhesie präoperativ aufgeklärt werden.

1Augenklinik Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, D-13353 Berlin
2Augenklinik im Krankenhaus Neukölln, Rudower Str. 48, D-12313 Berlin


Zurück