97. Jahrestagung der DOG 1999

K130

AUTOMATISIERTE UND STANDARDISIERTE BERECHNUNG DER POTENTIELLEN KORNEALEN KONTRASTSENSITIVITÄT AUF DER BASIS VON VIDEOTOPOGRAPHIE-DATEN

B. Wannke, E. Simader, M. Derse, T. Oltrup, T. Bende, B. Jean

Die durch die Hornhautoberfläche bedingte Kontrastsensitivität, die sog. potentielle korneale Kontrastsensitivität (PCCS), ist ein wichtiges Kriterium zur Beuteilung der optischen Güte der Kornea. Die Berechnung der PCCS kann bei Unkenntnis oder ungenügender Beachtung der verwendeten Randbedingungen (Ortsfrequenz, Bildkontrast etc.) zu Fehlinterpretationen führen. Es wird daher ein neues automatisiertes und standardisiertes Verfahren vorgestellt, welches diese Probleme umgeht und den fehlerfreien intra- und interindividuellen Vergleich der PCCS gestattet.

Methoden: Die Videotopographie-Daten wurden mit dem Tübinger Farbellipsoid-Videotopometer (C-Scan, Fa. Technomed) erhoben. Es wurde eine eigene Software entwickelt, welche sinusoidale Luminanzverteilungen mit definierter Ortsfrequenz und definiertem Kontrast als Objekte über die gemessenen Korneadaten und durch die Pupille hindurch auf eine virtuelle Retina abbildet (Ray-Tracing-Verfahren). Auswahl und Abbildung der Objekte, sowie Berechnung der PCCS erfolgen standardisiert und automatisiert und wurden anhand klinischer Kontrastsensitivitätsdaten normiert.

Ergebnisse: Die Modulationstransferfunktion (MTF) (=Verlauf der PCCS für verschiedene Ortsfrequenzen und Bildkontraste) kann berechnet werden. Entsprechend den klinisch messbaren Daten fällt die MTF mit steigender Ortsfrequenz und sinkendem Objektkontrast ab. Dies wird mit klinischen Kontrastsensitivitätsdaten von Patienten prä- und post-PRK korreliert.

Schlußfolgerungen: Das dargestellte neue Verfahren gestattet durch die Standardisierung einen fehlerfreien intra- und interindividuellen Vergleich von PCCS und MTF. Durch die Automatisierung liegt eine besonders bedienungsfreundliche und leicht erlernbare Software vor. Das Verfahren erlaubt die rasche Berechnung von PCCS und MTF in vivo, so daß Aussagen zur Abbildungsgüte der Kornea, zur Lokalisation visueller Funktionsdefizite und durch Vergleich mit der klinischen Kontrastsensitivität Untersuchungen der retinalen und zerebralen Signalverarbeitung möglich werden.

Univ.-Augenklinik, Abt. I, Schleichstr. 12, D-72076 Tübingen


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